Wenn Nicht-Veganer Veganer nerven

Vegan

Ein Kommentar zum Kommentar von Stefanie Hemetsberger

(„Foodmentalismus“ aus der UNI:PRESS vom Dezember 2016)


Ich oute mich jetzt als Veganer.

Und nein, das tue ich nicht gerne, denn oft wird man schief angeschaut, bemitleidet („Was darfst du denn dann noch essen?“), überschüttet mit dem Wissen der plötzlichen Experten zu Ernährungsfragen („Nimmst du auch genug Protein zu dir?“) und bekommt noch gratis Infos über deren eigene Ernährung („Also ich könnte mir nicht vorstellen, kein/e [beliebiges tierisches Produkt bitte hier einfügen] mehr zu essen…“).

Was meist nicht bedacht wird, ist, dass kein Mensch einfach eines Morgens aufwacht und aus heiterem Himmel denkt: “Ab jetzt esse ich vegan“. Dafür gibt es immer einen Grund (oder mehrere), denn normalerweise informiert man sich über eine Sache, bevor man für sie eintritt. Es wäre durchaus ratsam, dies auch zu tun, wenn man für etwas nicht eintritt. Einfach mal die Vorurteile über Bord schmeißen und objektiv an die Sache herangehen.

Ich habe mich durch das Lesen des Artikels von Stefanie Hemetsberger nicht dazu aufgerufen gefühlt, die Vorteile der veganen Ernährung aufzuzählen – wer daran interessiert ist, kann jederzeit Onkel Google kontaktieren (oder auch nicht, es bleibt jedem selbst überlassen). Vielmehr möchte ich die Vorurteile und das Halbwissen der Autorin als solche kenntlich machen:

  • Der Großteil aller Veganer sind weder dogmatisch, rechthaberisch noch verurteilend den Menschen gegenüber, die andere Essgewohnheiten haben. Sie äußern sich einfach nicht großartig dazu. Ist jemand an ihrer Ernährungsweise interessiert, teilen sie gerne ihre Einstellungen und ihr Wissen. Sehr schade, dass diejenigen, die leider sehr wohl missionarisch auftreten, stellvertretend für alle Veganer gesehen werden.
  • Ob man Fan von sogenannten Superfoods ist, hat nichts damit zu tun, was man sonst noch so isst. Nur weil man vegan ist, heißt das nicht, dass die tägliche Mahlzeit aus gekeimtem Quinoa, Chiapudding, Guacamole und rohkostkonformen Goji-Beeren besteht. Da gäbe es auch Haferflocken, Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse… Diese (veganen) Lebensmittel findet man in jedem Supermarkt zu äußerst erschwinglichen Preisen („Drei etwas größere Ochsen-Tomaten können um 8 Euro erworben werden […]“? Fehlanzeige. Außer man kauft diese im tiefsten Winter und/oder in teuren Bio-Läden. Durch den Genuss von nicht biologisch angebauten Karotten hat übrigens noch niemand Atherosklerose entwickelt). Durch diese Grundnahrungsmittel erhöht sich sogar die Nährstoffaufnahme signifikant mehr als durch Superfoods, immerhin nimmt man von diesen weitaus mehr als nur ein paar Gramm zu sich.
  • Es wäre mir noch nicht aufgefallen, dass Omnivore ausschließlich regionale, saisonale, biologisch angebaute und fair gehandelte Produkte kaufen und der Benutzung elektronischer Geräte abgeschworen haben. Aber Veganer, ja, die sind einfach nur scheinheilig, wenn sie das nicht machen! Darüber scheint sich schnell ein Urteil fällen zu lassen.
  • Zu der Sache mit dem Soja: Das Soja, für das täglich Regenwald gerodet wird, um an dessen Stelle Soja anzupflanzen und es hierauf nach Europa zu transportieren, landet nicht etwa auf den Tellern von hungrigen Veganern. Überraschung: Es wird hier an die Nutztiere verfüttert, was damit nur Omnivore, aber nicht Veganer unterstützen. Das Soja, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, beträgt dem gegenüber erstens nur einen Bruchteil und wird zweitens – wieder Überraschung – sogar direkt in Österreich angebaut! Aber keine Sorge, wer kein Soja essen mag, muss dies auch bei einer veganen Ernährung nicht tun. Dasselbe gilt für Chia, Goji, Maca etc.

Alles in allem scheint es nicht nur angebracht, Veganern gegenüber Toleranz zu predigen, sondern sich einmal selbst an die Nase zu fassen. Wenn Menschen wie Frau Hemetsberger die „Bedingungen der Tierhaltung und deren Fütterung“ als „unmöglich“ bezeichnen, und es als selbstverständlich erachten, dass diese „Zustände abgeschafft werden müssen“ – wieso reduzieren sie dann nicht einfach ihren Verbrauch an tierischer Nahrung, anstatt jene, die dies getan haben, schlecht zu reden?

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