Studienplatzfinanzierung – und jetzt?

Dank Corona fast vergessen: Der Uni Salzburg drohen hohe Rückzahlungen an den Bund. Bis zu fünf Millionen Euro könnte die Uni verlieren, wenn bestimmte Kennzahlen nicht erreicht werden. Eine ohnehin schwierige Aufgabe wird durch die aktuelle Krise erschwert. Wie geht es weiter? Ein Update von Christoph Würflinger

Zur Erinnerung: Durch die Universitätsfinanzierungsverordnung (UniFinV) wird das Uni-Budget über drei Säulen finanziert: Lehre, Forschung und Infrastruktur/strategische Entwicklung, wobei die Unis den Großteil ihrer Mittel über den Bereich Lehre erhalten. Je mehr Studierende ein Studium aktiv betreiben, desto mehr Geld bekommt die Uni. “Aktiv” bedeutet, dass mindestens 16 ECTS-Punkte (oder 8 Semesterstunden) pro Studienjahr gesammelt werden. Für besonders prüfungsaktive Studierende mit mehr als 40 ECTS-Punkten pro Jahr bekommt die Uni noch einmal extra Geld. Studierende, die für zwei Studien eingeschrieben sind, aber pro Fach nur 15 Punkte schaffen, bringen der Uni hingegen nichts, obwohl sie insgesamt auf 30 Punkte kommen.

Nicht jedes Fach ist gleich viel wert: Am wenigsten Geld gibt es für die Uni bei den sogenannten Buchwissenschaften (Geisteswissenschaften, Jus etc.) zu holen. Etwas mehr gibt es für weniger betreuungsintensive MINT-Fächer sowie betreuungsintensive Sozial- und Geisteswissenschaften; am meisten bekommt die Uni für betreuungsintensive MINT-Fächer. Zusätzliche Mittel bringen außerdem Studienabschlüsse ein.

“Es geht nur mehr um Schadensbegrenzung” 

Die Vorgaben, die für ein gleichbleibendes Budget notwendig sind, wird die Uni Salzburg nicht erfüllen können (eine Steigerung wird sie ohnehin nicht schaffen). Es geht nur mehr um Schadensbegrenzung. Auch die aktuelle Krisensituation ändert daran nichts, denn das Ministerium habe “mittlerweile klargemacht, dass weder am System der Universitätsfinanzierung noch an der festgelegten Zahl der prüfungsaktiven Studien noch am Referenzzeitraum gerüttelt wird”, sagt der Vizerektor für Lehre, Martin Weichbold. Die Uni erhalte lediglich einen “Rabatt” von 30 Prozent auf die sich bei Nichterreichung ergebenden Rückzahlungen.

Die aktuelle Krise hat die universitäre Lehre fundamental verändert. Blackboard und Videokonferenzen sind mittlerweile Standard und sogar Prüfungen werden online abgehalten. Die Unibibliothek hat zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür gesorgt, dass den Studierenden Literatur für ihre Seminar- und Abschlussarbeiten zur Verfügung steht, aber diese Bemühungen reichen in vielen Fällen nicht aus, um eine fristgerechte Abgabe von schriftlichen Arbeiten zu ermöglichen. Die Universitätsleitung geht zwar davon aus, dass die Zahl der absolvierten Lehrveranstaltungen in diesem Semester “gar nicht so dramatisch abnehmen” wird. Allerdings werden wohl zahlreiche Prüfungen nach hinten verschoben, wodurch sie aus dem für die Finanzierung ausschlaggebenden Referenzzeitraum fallen. Die Uni verliert dadurch zusätzlich Geld.

Ob die Regierung noch Maßnahmen beschließt, um die Universitäten zu unterstützen, steht in den Sternen. Was den Hochschulsektor betrifft, ist Minister Faßmann ja seit Monaten auf Tauchstation – sein Fokus liegt offensichtlich im Schulbereich. Vielleicht passiert dem Finanzminister ja wieder ein Fehler und die Unis bekommen versehentlich zusätzliche Milliarden. Darauf kann man sich aber nicht verlassen. Das Rektorat muss daher – noch mehr als vor Corona – nach Einsparungsmöglichkeiten suchen. Wo gekürzt werden soll, hat das Rektorat bisher noch nicht verlauten lassen; Sparpotential wird allerdings überall gesucht, auch im Bereich der Lehre. Bedeutet: Weniger Lehrveranstaltungen, vollere Seminarräume, längere Wartelisten. Die Möglichkeit, ein Studium in der vorgesehenen Zeit zu absolvieren, soll aber “jedenfalls unangetastet” bleiben, so Vizerektor Weichbold. Wie? Gute Frage.

“Vielleicht passiert dem Finanzminister wieder ein Fehler und die Unis bekommen versehentlich zusätzliche Milliarden” 

Es gibt einige Indizien dafür, dass die Uni-Leitung schön langsam nervös wird. Die skurrile ÖBB-Gutschein-Kampagne (Verlosung von ÖBB-Gutscheinen unter jenen Studierenden, die im Wintersemester weniger als 10 ECTS-Punkte gesammelt haben, aber im gesamten Studienjahr 20 Punkte erreichen) haben wir bereits in der letzten Ausgabe thematisiert. Den Lehrenden wurde außerdem nahegelegt, schwierige Prüfungen zu entschärfen, um die Zahl der Abschlüsse zu steigern (natürlich ohne Qualitätsverlust!). Hinzu kommt die fragwürdige Werbekampagne der School of Education, in der ein Dissertant der Bildungswissenschaften als begeisterter Lehramtler präsentiert wird und (an der Uni angestellte) StudienassistentInnen vom Studium in Salzburg schwärmen. Was daran problematisch ist, wollen die Verantwortlichen nicht verstehen. Und zu guter Letzt wird auch noch die Studienvertretung Lehramt von der Uni-Leitung heftig kritisiert, weil sie über Prüfungsangebote des Cluster-”Partners” Linz informiert. Das “torpediere” die Bemühungen, die Studienbedingungen zu verbessern, und schade dem Standort Salzburg massiv.

Und jetzt? Dass die Uni viel Geld zurückzahlen muss, scheint mittlerweile festzustehen. Kurzfristige Maßnahmen werden daran nicht viel ändern – jetzt ist langfristiges Denken gefragt, um Studieninteressierte nach Salzburg zu holen und um Höhersemestrige in Salzburg zu halten. Es braucht eine vernünftige Werbekampagne, die potentiellen Studierenden nichts vorschwindelt und trotzdem von den Vorzügen Salzburgs  überzeugt. Denn die gibt es neben vielen Nachteilen – hohe Mieten, mittelmäßige Öffis, fehlende Studi-Kultur – tatsächlich. Die meisten Curricula müssen dringend und grundlegend überarbeitet werden: Wir studieren in vollgepackten dreijährigen “Bachelor”-Plänen, die sich von früheren viereinhalbjährigen Diplomstudien kaum unterscheiden. Das Anmeldeprozedere sorgt noch immer regelmäßig für Aufruhr. Eine bessere Abstimmung der Lehrveranstaltungen könnte vor allem Lehramtsstudis helfen, ihre Semesterpläne sinnvoll zu gestalten, und damit eine große Frustrationsquelle zum Versiegen bringen. Eine bessere Verteilung der Lehrveranstaltungen auf die ganze Woche, vor allem in die Abendstunden und auf Freitag/Samstag, würde berufstätigen Studierenden – deren Anteil immerhin zwei Drittel ausmacht – helfen.

Noch viel wichtiger wäre es aber, mit der selben Entschlossenheit für die Abschaffung dieses Un-Systems zu lobbyieren, mit der Ex-Rektor Schmidinger als Chef der Universitätenkonferenz für seine Einführung gekämpft hat.

Update (06.07.2020, 23:58): In den letzten beiden Wochen sorgte die Uni Salzburg beinahe täglich für Schlagzeilen, sodass dieser Artikel – geschrieben Anfang Juni – längst nicht mehr aktuell ist. Mittlerweile beläuft sich der Betrag, den die Uni zurückzahlen wird müssen, auf 10 Millionen Euro. Einsparen will der Rektor an überraschenden Stellen: Bei den für den wissenschaftlichen Nachwuchs so wichtigen Studienassistenzstellen wird radikal gekürzt, mehr als 40 Prozent der Stellen sollen wegfallen; bei den Bibliotheken soll eingespart werden, wichtige mittelfristige Ziele wie etwa 24h-Öffnungszeiten geraten dadurch zur Utopie; und schließlich will Lehnert, der bei seinem Amtsantritt zum Thema Digitalisierung noch Großes angekündigt hat, ausgerechnet bei der in Corona-Zeiten so wichtigen und ausbaubedürftigen Uni-IT sparen. Hinzu kommen außerdem seine Umstrukturierungspläne, die für großen Unmut gesorgt haben und denen wohl einige kleine Fachbereiche zum Opfer fallen könnten. Freunde macht sich Lehnert mit diesen Aktionen keine.

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