Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 7) – Elisabeth-Vorstadt

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

Teil 7 – Elisabeth-Vorstadt

Naturgemäß ist in jeder Stadt das Bahnhofsviertel ein Beisl-Hotspot – Salzburg ist da keine Ausnahme. Mit „Elisabeth-Vorstadt“ hat die zweifelhafte Gegend seit 1901 einen noblen Namen, von dem man sich aber nicht in die Irre führen lassen darf. Nirgendwo sonst in Salzburg gibt es so viele dubiose Wettcafés und Shisha-Bars.[1]

Im Norden grenzt der Stadtteil an Itzling, im Westen liegt die Salzach und im Südosten bilden die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs die Grenze. Etwa 7.500 Menschen bewohnen hier ca. 500 Gebäude. Während die Gegend zwischen Salzach und Plainstraße von Wohnvillen geprägt ist, dominieren im restlichen Stadtteil Hochhäuser und Wohnblocks.

Im Mittelalter trug die Gegend den Namen Fieberbrunn, ab dem 18. Jahrhundert dann Froschheim. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Gebiet in ein urbanes Siedlungs- und Industriegebiet. Entscheidend dafür waren der Bau der Westbahn mit dem Hauptbahnhof, die Schleifung der Stadtmauern und die Regulierung der Salzach. Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ermöglichten nach 1945 vor allem östlich der Elisabethstraße eine dichte Bebauung.

“Das von Preuners Schergen kompromisslos durchgesetzte Alkoholverbot am Südtiroler Platz hat glücklicherweise keine negativen Auswirkungen auf die umliegenden Beisln.”

Zugegeben, wir waren uns nicht sicher, ob wir auf unserer Suche nach Bier und Schnaps im Bahnhofsviertel überhaupt fündig werden würden. Das von Preuners Schergen kompromisslos durchgesetzte Alkoholverbot am Südtiroler Platz hat aber glücklicherweise keine negativen Auswirkungen auf die umliegenden Beisln. Die hiesigen Drangler dürfen hemmungslos weiterbechern – solange sie das in klar abgegrenzten Gastgärten und um den zehnfachen Preis machen.

Wagemutige Tschecheranten umgehen das Verbot mit kreativen Lösungen (Schnaps in der Mineralwasserflasche o. Ä.); wir Feiglinge bleiben allerdings auf der legalen Seite, nicht zuletzt, um sicherzustellen, dass dieser Text abgedruckt werden darf und dem Serviceanspruch unseres schönen Magazins Genüge getan werden kann. Zudem sollen unschuldige Erstis nicht zur Kriminalität gedrängt werden.

Nun aber genug der Gesellschaftskritik! Lasst uns gemeinsam in die pulsierende Beislwelt rund um den Salzburger Hauptbahnhof eintauchen!

Corner am Bahnhof

Die anfängliche Skepsis (“I hob gheat, do drin gehts voi oag zua!”) weicht schnell einer gewissen Erleichterung, befindet man sich hier doch offenbar in einem der eher harmloseren Lokale. Es geht trotz der rund 20 Gäste recht ruhig und gesittet zu, die Kellnerin ist freundlich und flott und zudem im Kopfrechnen top. Kulinarisch wird hier jeder fündig: Pizza, Nudeln, Toast, Schnitzel und zahlreiche andere Schmankerl werden prompt serviert und schmecken hervorragend. Ein heftiger Glaubensstreit entbrennt: Schmeißt man Grillwürschtel in die Fritteuse oder werden sie in der Pfanne zubereitet? – Eine Einigung ist noch immer nicht in Sicht. Die Toiletten sind sauber, im Radio läuft standardmäßig Charts-Musik – keine Überraschungen. Jeden ersten Donnerstag im Monat soll es hier außerdem eine Tombola geben. Dass das Stammpublikum eher für sich bleiben will, sorgt dafür, dass uns auch die günstigen Bierpreise nicht zum Bleiben animieren. Wir verlassen den Südtiroler Platz 8 und ziehen weiter.

Potato

Wenige Meter weiter (Südtiroler Platz 6) das erste Highlight des Abends – benannt nach den Erdäpfelspalten, die es hier einst zu essen gab. Im Lokal selbst haben wohl kaum mehr als fünfzehn Menschen Platz; für eine Entspannung der Raumsituation sorgt im Sommer der Gastgarten direkt vor dem Beisl, der einen schönen Ausblick auf das vor der Allgemeinheit gut versteckte Antifaschismus-Mahnmal bietet. Wegen der Anrainer im Wohnblock darüber weist ein Schild (“Psst!”) darauf hin, dass der Gast ruhig zu sein hat. Die zwei jung gebliebenen Damen, die vor dem Potato lautstark diskutieren (=durchgehend und wenig geistreich fluchen), scheren sich einen feuchten Dreck darum. Ob das Gebot zu späterer Stunde von der Besitzerin rigoroser durchgesetzt wird, konnten wir nicht ergründen.

Das Bier bekommt man hier um günstige 3,10€, dazu gibt es ein Fläschchen selbstgemachten Waldbeerlikör um 8€ – für eine Gruppe von 6 Personen reicht selbiges gerade so aus. Wir vermuten, dass hier schon öfter schlechte Erfahrungen mit Zechprellern gemacht wurden, da die Wirtin stets darauf achtet, sofort zu kassieren. Der Weg zum locus necessitatis – stilecht mit für Verwirrung sorgender Schiebetür – führt an vier Barhockern, einem kleinen Stehplatzbereich und Hinweisen auf diverse Sonderangebote (5 Bacardi-Cola um 8€) vorbei. Das Unisex-Klo werten wir als Bestätigung für die progressive Haltung, die hier vorherrscht. Ein Hinweis darauf ist auch die Musikauswahl, die von linken Staatskünstlern (Ambros, Fendrich, Danzer, Hubert von Goisern) dominiert wird. Weil das Potato einerseits äußerst gut besucht ist, andererseits aber nur begrenzt Platz hat, nehmen wir Rücksicht auf das Stammpublikum und verlassen das Etablissement.

Café Figaro

Wieder reichen wenige Schritte, um zur nächsten Lokalität zu gelangen. Im Raucherbeisl, dessen Gastgarten leider schon geschlossen hat, serviert uns eine freundliche Kellnerin Bier und Schnaps (Zirbe). Während wir anfangs noch von schüchternen Stammgästen an der Bar neugierig beäugt werden, gesellt sich nur ein halbes Bier später eine heitere Runde zu uns. Das selbstbewusste Alphatier der Gruppe, ein älterer, weißhaariger Mann, markiert sogleich sein Revier: “Man bediene mich!” schallt seine kräftige Stimme durchs Lokal. Man leistet ihm Folge.

“Geradezu hypnotisiert vom mächtigen Schnauzer lauschen wir seinen Geschichten.”

Wesentlich sympathischer ist uns da Underdog Manfred[2], der in einer Käserei schuftet und bald in Pension gehen darf. Seine Berufswahl bereut er keinesfalls – voller Stolz erzählt er uns, damals, im 80er-Jahr, der jüngste Käsermeister Österreichs gewesen zu sein. Geradezu hypnotisiert vom mächtigen Schnauzer lauschen wir seinen Geschichten. Die Damen unter uns müssen derweil die aufdringlichen Flirtversuche des Alphatiers abwehren. Dass wir nach nur einem Bier tatsächlich weiterziehen, sorgt bei ihnen für Erleichterung.

Honorary Mention: Café Sambucca

Post vom Gerichtsvollzieher hat das Café Sambucca bekommen – die Nachricht des Spielverderbers verhinderte leider die Aufnahme in den Testpool.

Trau Di

Gut versteckt hinter der Tankstelle in der Saint-Julien-Straße liegt dieses Juwel der Beislszene, in dem die klare Ansage “Im Himmel gibts kein Bier, drum trinken wir es hier” den Besuchern vom ersten Augenblick an vermittelt, was hier gespielt wird. Die rustikale Einrichtung erinnert an eine Schihütte; ergänzt wird sie durch zwei Dartscheiben, die fleißig bespielt werden. Zwar sind sie gut hinter einem Torbogen versteckt, eine im Lokal gut sichtbar angebrachte, separate Anzeigetafel sorgt aber dafür, dass alle Gäste wissen, wie schlecht man spielt. Das Bier verkauft man hier um einen humanen Preis (3,30€), der ebenfalls günstige Kirschschnaps (2,20€), der mangels Tablett auf einem Aschenbecher serviert wird, schmeckt ausgezeichnet. Verlockend klingt auch ein Getränk namens “Negr”, welches vermutlich deshalb so heißt, weil man “Neger” nicht sagen darf – Ha Ha!

Honorary Mention II: Café Enzian

Wegen Betriebsurlaubs geschlossen. as Beisl schaut jedoch recht vielversprechend aus – wird bei Gelegenheit nachgeholt!

Nachruf: Tanzcafe Melodie

Fast ebenso lange wie wir schon in Salzburg leben, haben wir uns vorgenommen, endlich einmal diese Legende der Salzburger Beislszene aufzusuchen. Nun ist das nicht mehr möglich – geschlossen, für immer! Lediglich einige originelle Online-Bewertungen (Highlight: “grottenschlecht.absteige für ausländer die österreichische frauen suchen oder frauen die auf ausländische schwänze stehen.niveaulos.”) zeugen von der einstigen Größe dieser Institution. RIP in Peace, Tanzcafe Melodie!

Prost!

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.


[1] Angabe nicht überprüft.

[2] Name von der Redaktion geändert.

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