Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 6) – Salzburg Süd

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

 

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

Teil 6 – Salzburg Süd

 

Wer im noblen Salzburger Süden auf Beislerkundungstour gehen will, muss Kompromisse eingehen – die Anzahl an geeigneten Etablissements in den südlichen Stadtteilen erreicht nämlich nicht ganz jene von Stadtteilen wie Schallmoos oder Lehen. Wir waren also erstmals gezwungen, uns durch mehr als einen Stadtteil zu testen. Es waren dies Gneis, Nonntal und Salzburg Süd, wo insgesamt etwa 20.000 Menschen leben. Unser Testgebiet liegt an der Berchtesgadner Straße bzw. Nonntaler Hauptstraße und an der Alpenstraße.

 

„Ausnüchtern? Ein schrecklicher Gedanke!“

 

Zugegeben, anfangs waren wir skeptisch ob der großen Entfernungen, die zurückzulegen waren – würden wir bei diesen großen Distanzen zwischen den einzelnen Beisln gar wieder ausnüchtern? Ein schrecklicher Gedanke! Dem großartigen Salzburger Öffi-System (und der diesmal hervorragenden Planung) ist es zu verdanken, dass dieser Worst Case nicht eintrat: Die Haltestellen sind allesamt in unmittelbarer Nähe der Lokale positioniert (wohl extra aus diesem Grund!), die Linien 5 und 3 brachten uns zuverlässig und flott zu unseren Zielen. Der Erfüllung unserer ÖH-Serviceverpflichtung stand also nichts im Weg; wie immer galten unsere offiziellen Beisltest-Richtlinien: 1 Bier und 1 Schnaps pro Beisl, danach wird kompromisslos weitergezogen.

 

5er Café & Bar

Erste Station war das 5er Café & Bar, von den Stammgästen schlicht „5er“ genannt. Praktischerweise liegt die Obus-Haltestelle (Höglwörthweg) direkt gegenüber – wir vermuten, dass der Name des Lokals auch daher kommt (Linie 5), aber wer weiß das schon so genau. Weil das Wetter gut ist, setzen wir uns in den freundlichen Gastgarten; die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und der Lärm der vorbeifahrenden Autos erinnert an das Rauschen des Meeres – das weckt Erinnerungen an die Italienurlaube der Kindheit. Lediglich der freundliche und aufmerksame Wirt passt nicht dazu – er spricht Deutsch, nicht Italienisch, und bringt uns gutes Bier.

 

„Unsere heilige Pflich: der Konsum von gebranntem Alkohol.“

 

Im Gastgarten sitzen ungefähr 10 Personen, drinnen noch einmal 20. Das Lokal ist also gut besucht. Dass die 5er-Stammgäste am Nebentisch Viererschnapsen, erinnert uns an unsere heilige Pflicht: den Konsum von gebranntem Alkohol. Im Innenbereich wird Darts gespielt; den Weg zur (richtigen) Toilette weisen ein männliches und ein weibliches Stinktier. Am Damenklo kann man sich beim Verrichten der Notdurft mittels Spiegel selbst beobachten – aufregend! Die schlechte Nachricht für alle, die einen Besuch in den Ferienmonaten planen: Im Sommer hat das 5er samstags geschlossen.

 

Honorary Mention: Cafe Amici

Der erste Schock des Abends trifft uns gleich bei der zweiten Station: Der vielversprechende Kandidat „Cafe Amici“, der unsere radelnde Vorhut mit seinem Schild „Biker Willkommen“ angelockt hat, ist wegen Umbauarbeiten ausgerechnet an diesem Wochenende geschlossen. Ein Blick auf die Unofficial Facebook Page des Beisls zeigt aber, dass es sich hier um die perfekte Location handeln muss.

 

„Mambo Tschambo Buam.“

 

Bei Bewertungen wie „Mambo Tschambo Buam. Lustige Lokation immer was los. Macht echt Laune“ oder „Cafe Amici ist immer wo der Spass ist und es gibt immer nette lustige Leute dort.“ steigen uns die Tränen in die Augen und wir überlegen, ob wir den Beisltest nicht als symbolischen Trauerakt – passenderweise liegt der Kommunalfriedhof direkt gegenüber – abbrechen sollten. Doch am Ende siegt der Durst und wir ziehen zum nächsten Lokal.

 

No Hau

Wer denkt, dass es sich bei diesem Namen nur um ein plumpes Wortspiel mit „Know How“ handelt, irrt gewaltig. In Wahrheit handelt es sich um eine äußerst clevere Anspielung auf die Adresse des Beisls: NOnntaler HAUptstraße. Das Lokal ist gut gefüllt, aber noch nicht (oder nicht mehr?) so voll, dass uns die sympathische und bemühte Chefin Sonja nicht umgehend mit Bier und Schnaps versorgen könnte (der äußerst günstige Averna wird mit Zitrone und Eis serviert). Der Raucherbereich ist zwar nur halbherzig vom Rest des Lokals (in dem ebenfalls geraucht wird) abgetrennt, aber immerhin werden wir gefragt, ob die Tür geschlossen werden soll. Als alte Beislveteranen, bereit zu jedem Risiko, lehnen wir jedoch ab – Authentizität geht vor!

Ein altersschwacher Wachhund kann die illuminierten und vom Dartspiel abgelenkten Stammgäste nicht daran hindern, ein Glas Bier zu verschütten – doch nicht einmal das bringt die Wirtin aus der Fassung. Die kulinarischen Highlights des Lokals – Erdäpfelgulasch, Chili, Spaghetti und den Beislklassiker Schinken-Käse-Toast – lassen wir unangetastet; umso genauer begutachten wir dafür die sanitären Einrichtungen und sind ob der Bodenbeleuchtung angenehm überrascht. Trotz allem fühlen wir uns hier als Fremdkörper, begleichen deshalb nach einer Runde unsere Rechnung und ziehen weiter.

 

Herrnauer Stüberl

Etwas versteckt in der Leitmeritzstraße liegt unser nächster planmäßiger Aufenthalt, das Herrnauerstüberl. Bei unserer Ankunft werden wir vor allem von den Damen freundlichst begrüßt („Mei, so a Junger kumt eina, sitz di her!“), ein Hinweisschild an der Tür („Ducken ab 2 Meter“) sorgt dafür, dass es nicht schon beim Betreten zu schweren Unfällen kommt. Sogar das Dartspiel wird nur für uns unterbrochen. Das kleine, aber feine Beisl ist mit 20 Gästen etwa dreiviertel voll, wir haben also noch bequem Platz. An den Wänden hängen allerhand Ziergegenstände, unter denen man bei jedem Blick durchs Lokal einen neuen entdeckt – vom Darts-Pokal über Schilder der „1. Große[n] Salzburger Gesellschaft Faschingsgilde“ (70-Jahr-Jubiläum 2018!) und des Sparvereins „Die lustigen Sünder“ bis hin zur antiken Ziehharmonika und einem Telefonapparat aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Bei längeren Sitzungen am Damenklo sorgt ein Männerkalender für Unterhaltung. Die Speisekarte weckt unser Interesse und wir bestellen eine Pizza (tadellos!) und einen Schinken-Käse-Toast. Letzterer wird mit vorzüglich marinierten Tomaten serviert (Geheimrezeptur!).

 

„Mei, so a Junger kumt eina, sitz di her!“

 

Mit Schrecken stellen wir fest, dass extra für uns Youngsters die zuvor exzellente Musikauswahl umgestellt wird – nach heftigem Protest wird wieder auf beislgemäße Schlagermusik umgestellt. Zu späterer Stunde werden dann die Tophits der Ersten Allgemeinen Verunsicherung gespielt und auswendig mitgesungen. Doch auch diese können die strenge Sperrstunde – angekündigt durch ein Blaulicht an der Decke und „Sperrstund‘ is“ von Hans Moser – nicht hinauszögern. Wir müssen das Lokal um Punkt elf Uhr schweren Herzens verlassen.

 

Limiti

Ein letztes Mal an diesem Abend besteigen wir Bus bzw. Rad und begeben uns in den äußersten Süden Salzburg – zum Ginzkeyplatz. Der große Gastgarten ist leider schon außer Betrieb, weswegen wir uns ins Innere des Lokals begeben. Der geschmackvolle Einrichtungsstil desselbigen erinnert an das Wohnzimmer von Tante Gerti. Wirt wie Stammbelegschaft beäugen uns skeptisch; dennoch erhalten wir Bier und Schnaps. Aus dem Radio tönen unaufdringlich die größten Hits der Neunziger, was in uns Nostalgie weckt und den Drang hervorruft, Musikwünsche zu äußern. Auf Nachfrage erklärt uns der Chef seine einzige Bedingung: „Owa ka Rockmusik!“ Der Einwand war unbegründet, unserem Wunsch („A klana Indiana“) wird mit Begeisterung entsprochen. Für hungrige Beisltouristen hält das Limiti Schmankerl wie Gulaschsuppe, Frankfurter und Toast bereit. Ansonsten ist das Beisl unspektakulär: Die Dartscheibe bleibt ungenutzt, die Stimmung ist leicht melancholisch und der Männeranteil läge ohne uns bei 100 Prozent. Ob das mit der FPÖ-Zentrale im Obergeschoss des Gebäudes zusammenhängt? Der Wirt und seine zwei verbliebenen Stammgäste wirken jedenfalls erleichtert, als wir ihr Wohnzimmer schließlich verlassen.

 

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für zukünftige Sauftouren freut sich die Redaktion sehr (presse@oeh-salzburg.at).

 

Prost!

 

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.

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