Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 5) – Itzling

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

 

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

Teil 5 – Itzling

 

Itzling liegt im Norden der Stadt und wird im Westen von der Salzach, im Norden von den Abhängen des Plainberges und der Autobahn und im Osten durch die Gleise der Westbahn begrenzt. Im Süden bilden die August-Gruber-Straße und die Erzherzog-Eugen-Straße die Grenze zur Elisabeth-Vorstadt. Die ca. 9.000 EinwohnerInnen machen Itzling zu einem mittelgroßen Stadtteil Salzburgs.

Das einstige Dorf entstand aus einem kleinen Weiler an der unbedeutenden Straßenverbindung zwischen Salzburg und Bergheim; erste Bauerngüter konnten erst nach der Trockenlegung des Itzlinger Mooses unter Fürsterzbischof Paris Lodron entstehen. An Bedeutung gewann Itzling erst mit dem Wandel zum Arbeiter- und Eisenbahnerort durch den Bau der Westbahn (1860). Heute dominieren in Itzling Wohnbauten; entlang der Gleise der Lokalbahn befindet sich außerdem ein pulsierendes Gewerbegebiet.

 

Bei jeder Station ein Glaserl extra

 

Zugegeben, von einem Stadtteil wie Itzling mit seinen sehr guten Voraussetzungen hätten wir uns eigentlich eine größere Beislszene erwartet. Vor allem die Beislarmut der Itzlinger Hauptstraße enttäuscht; offenbar erschweren zahlreiche AnrainerInnenbeschwerden den Betrieb solcher Etablissements. Die schlechte Vorbereitung des Beisltestorganisators tat das Übrige. Der routinierte Beisltester macht aber – der ÖH-Serviceorientierung verpflichtet – aus der Not eine Tugend und trinkt einfach bei jeder Station ein Glaserl extra. Die (inoffiziellen, nicht von allen beachteten) Spezialregeln lauteten also diesmal: 2 Bier und 2 Schnaps pro Trinkanstalt, danach wird weitergesucht.

 

Stammcafe

Freundlicherweise wird man im Stammcafe in der Itzlinger Hauptstraße schon außen – mittels Schild an der Tür – darauf hingewiesen, dass hier auf Nichtraucherschutz kein besonders großer Wert gelegt wird. Weniger freundlich: Man fühlt sich beim Betreten wie ein Polizei-Sonderkommando, das eine Wohnungstür aufbrechen muss, weil die Tür klemmt. Vom Besitzer wird man dafür umso enthusiastischer empfangen – er unterbricht dafür sogar sein Gespräch mit den zahlreichen Stammgästen, die dem Namen des Lokals alle Ehre machen. Von selbigen gibt es eine etwa 1×1 Meter große Fotocollage, die an prominenter Stelle an der Wand platziert ist. Umrahmt wird sie von unzähligen Schildern bekannter Brauereien und Spirituosenproduzenten – Highlight ist dabei das Bildnis einer jungen Dame mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt.“ Ob es sich bei besagtem Dealer um den Drangla am vermeintlichen Einarmigen Banditen (der sich später als ordinärer Münzwechsler – wohl für die Dartscheibe – herausstellte) handelte, konnten wir nicht verifizieren. Zu abgelenkt waren wir von der romantischen Atmosphäre, für die das Licht einer Kerze gemeinsam mit der ruhigen Radiomusik im Hintergrund sorgte.

 

Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt

 

Beim Gang zu den Toiletten (beengt, dafür hygienisch einwandfrei) fällt der Blick auf einen Nebenraum, in dem man durch dichten Nebel vier sportliche junge Herren (vermutlich) beim Dartspiel erkennen kann. Gelegentliche Soundeffekte bestätigen diese Annahme. Im Hauptraum sorgen Deckenventilatoren dafür, dass niemand am Zigarettenrauch erstickt. Für Unterhaltung sorgt neben dem Radio und dem Playboy-Magazin am Tisch auch der Besitzer. Beim Begleichen der Rechnung (6,10 für ein Bier und einen Schnaps) weist er uns auf unser Glück hin, am letzten Tag vor seinem wohlverdienten Urlaub gekommen zu sein: Er gönnt sich zwei Wochen in Sri Lanka.

 

Cafe Sympatico

Ähnlich wie das Stammcafe trägt auch das Cafe Sympatico in der Kirchenstraße seinen Namen völlig zu Recht. Die (inoffizielle?) Auszeichnung als „Salzburg’s Superwirtin 2009“ würden wir 9 Jahre später bedenkenlos wieder verleihen. Ob auch die Oscar-Statue aus diesem Grund hinter der Bar steht, wissen wir nicht – vorstellbar ist es auf jeden Fall. Bier und Schnaps kommen prompt und schmecken hervorragend. Die Mutigen in der Beisltestgruppe verköstigen den an der Tafel angepriesenen Kürbiskernlikör – Fazit: Empfehlenswert! Der Rest bleibt beim Klassiker (Obstler).

 

Salzburg’s Superwirtin 2009

 

Das Publikum ist durchwegs über 50, lediglich die Geburtstagsfeier im abgetrennten RaucherInnenbereich verzeichnet ein paar jüngere Semester. Eine Vitrine bietet eine große Auswahl an verschiedenen Tortenstücken; wer dort nicht fündig wird, kann auch die Speisekarte durchforsten (Vorsicht beim Croissant: „kann kontaminiert sein“!) oder eines der gefärbten Ostereier am Tisch probieren. Der Weg zum Abort führt durch den Raucherbereich und damit an der Geburtstagsgesellschaft vorbei, die – wie sich herausstellt – keineswegs feindselig gesinnt ist. Weil wegen empfindlicher NachbarInnen um 22 Uhr Schluss sein muss, begleichen wir unsere Rechnung (€ 3,50 für ein Bier, € 2,30 für einen Schnaps). Mit Empfehlungen für die nächsten Stationen tut sich die Wirtin schwer – Itzling ist ein schlechtes Pflaster für Beisltouren.

 

Cafe Martina Pub

Das Highlight des Abends finden wir erst nach längerem Suchen. Ein vorausgeschickter zweiköpfiger Erkundungstrupp bestätigt uns schließlich den Beislfund: Cafe Martina Pub in der Erzherzog-Eugen-Straße. Beim Betreten des Lokals müssen wir feststellen, dass die Vorhut bereits eifrigst mit der Stammbelegschaft fraternisiert – Skepsis gegenüber Neuankömmlingen gibt es hier nicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich das Café erst seit Anfang des Jahres in Martinas Händen befindet. Der äußerst sympathische Wirt – gleichzeitig DJ – versorgt uns mit Bier (€ 3,60), hervorragendem Weichselschnaps (€ 3,00) und jeder Menge italienischer Pop-Hits. Später kommen Klassiker wie Daddy Cool, Born 2 Be Alive, Lambada und YMCA dazu.

 

Faszinosum: eingerahmte Unterhose

 

Das Damenklo bietet so viel Platz, „man kann darin quasi Walzer tanzen!“ Weniger Platz, dafür ein anderes Faszinosum birgt das Herren-WC: Zwei eingerahmte Unterhosen an der Wand. Der Wirt erzählt uns später, dass es sich um den Gewinn bei einem Dartspiel handelt – und weil es sich bei Spielschulden bekanntermaßen um Ehrenschulden handelt, wurden die Unterhosen seinerzeit an Ort und Stelle ausgezogen und übergeben. Erwähnenswert ist auch der Top-Musikservice: Sobald man das Café einmal übernommen hat, wird jeder Musikwunsch erfüllt. Wie durch Zauberei – ganz ohne Nachfragen – werden auf einmal Lieder gespielt, über die man sich nur wenige Minuten zuvor unterhalten hat. Angesichts dieser magischen Momente (und wegen des hervorragenden Weichsel-Schnapses) fällt es uns äußerst schwer, das Lokal um 3 Uhr zu verlassen.

 

Itzling mag anderen Stadtteilen in puncto Beisl-Quantität vielleicht hinterherhinken; was die Qualität der getesteten Lokale betrifft, rangiert es aber ganz oben. Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für zukünftige Beisltests freut sich die Redaktion sehr (presse@oeh-salzburg.at).

 

Prost!

 

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen

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