Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 4)

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

 

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

 

Teil 3 – Schallmoos

Schallmoos liegt nördlich des Kapuzinerbergs und ist trotz seiner Zentrumsnähe einer der jüngeren Stadtteile Salzburgs – ursprünglich ein ungenutztes Moorgebiet, nach der Kultivierung im 17. Jahrhundert landwirtschaftlich geprägt und schließlich ab 1950 Standort zahlreicher Wohn- und Gewerbebauten. Im Norden, Osten und Westen machen die Gleise der Westbahn und der Giselabahn einen großen Bogen um das Viertel, im Südwesten wird es von der Lasserstraße, im Südosten von der Fürbergstraße begrenzt.

 

Wo kann man im ehemaligen Moorgebiet am besten versumpfen?

 

Zugegeben, es ist kein Leichtes, Menschen zwischen den Sauforgien Weihnachten und Silvester zum gepflegten Alkoholkonsum im Rahmen eines Beisltests zu animieren. Noch schwieriger wird es, wenn es um ein Testgebiet hinter dem Kapuzinerberg geht – wenig Licht, viel Schatten. Das wirkt gerade am kalten Jahresende bedrohlich und lädt nicht zum geselligen Beisammensein ein. Doch letztendlich siegte das Pflichtbewusstsein: Die Beisltour-Stammbelegschaft gab den Geist (und das Bier) nicht auf und recherchierte ganz im Sinne der ÖH-Serviceorientierung, wo man im ehemaligen Moorgebiet am besten versumpfen kann.

Wie immer galten die bewährten Beisltest-Regeln: 1 Bier und 1 Schnaps pro Lokal, danach wird kompromisslos weitergewandert.

 

Katrin Stüberl

Im Katrin-Stüberl werden wir sofort freundlich begrüßt und quasi vor vollendete Tatsachen gestellt: „Griaß eich! Vier Bier, oder?“ – „Ja, bit…“ – „Und vier Schnaps?“ – „Jo.“ Derart effiziente Bedienung sind wir nicht gewohnt und auch die Kenntnis unserer Spielregeln erstaunt uns. Der Name des Etablissements ist übrigens trügerisch, denn geführt wird das unscheinbare Lokal neben der Tankstelle in der Gabelsberger Straße von Günther. Üblicherweise wird im 1958 gegründeten Stüberl Zipfer Bier ausgeschenkt, dieses Mal aber ausnahmsweise Stiegl, wofür sich die Wirtin dann auch gleich entschuldigt. Über diesen Makel sehen wir großzügig hinweg, weil uns kurz zuvor Erdnuss-Snips kredenzt wurden.

 

Heimo Pfeifenberger gemeinsam mit einem trachttragenden Zauberer und/oder Weihnachtsmann

 

Die ca. 50 Sitzplätze werden gewöhnlich von Stammgästen aus dem Eisenbahnermilieu belegt – im Sommer kommt noch ein aus einem Tisch bestehender Gastgarten hinzu. Zum Testtermin ist das Stüberl leider recht leer. Für Unterhaltung ist trotzdem gesorgt, denn aus den Boxen klingen unaufdringlich die neuesten Radio-Hits. Die Wände zieren Fotos der Salzburger Europacup-Helden aus den 90ern: Einmal das Mannschaftsfoto (selbstverständlich signiert) sowie ein Foto von Heimo Pfeifenberger gemeinsam mit einem trachttragenden Zauberer und/oder Weihnachtsmann – ebenfalls mit Autogramm (von welchem der beiden, ist allerdings unklar).

Auch sonst ist der Raum recht geschmackvoll eingerichtet. Die Toiletten im 70er-Jahre-Stil sind sauber, für alle Fälle gibt es einen Kondomautomaten. Nachdem wir unsere Rechnung beglichen haben (3,70€ für das Bier, 3€ für den Schnaps) und uns ein gerade eintreffender Stammgast einen guten Rutsch wünscht, verlassen wir das Stüberl und ziehen weiter.

 

Maria’s Gecco

Unser Weg führt uns ans andere Ende der Gabelsberger Straße zu Maria‘s Gecco. Die anfängliche Skepsis, mit der uns unsere Mittrinker (allesamt 50+) im engen Lokal beäugen, verflüchtigt sich schnell, weil sie nach unserer Bestellung erkennen, dass wir es ernst meinen und keineswegs Amateurtrinker sind. Eine Testerin bestellt statt Bier ausnahmsweise die Spezialität des Hauses: den Gecco, ein Mischgetränk aus Holunderblütensaft, Rosé, Sekt und Eiswürferl (oder so). Seinen Namen verdankt das Gecco den zahlreichen Gekko-Figuren, die einst im Lokal aufgestellt waren. Mittlerweile hat die sympathische Besitzerin Maria deren Zahl allerdings auf 2 beschränkt. Recht streng wird die Sperrstunde gehandhabt. Um 23 Uhr ist Schluss, sonst revoltieren die bösen Anrainer, die übrigens auch daran schuld sind, dass man im zweiten Raum des Gecco – einem „Lagerraum“ – weder sitzen noch Alkohol konsumieren darf. Lediglich die Durchreise zu den sauberen Toiletten ist gestattet.

Maria enttarnt uns schnell als Beisltester und klärt uns darüber auf, dass hier auch schon andere Beisltouristen Station gemacht haben. Aus deren eigens für solche Touren angefertigter Anleitung, die uns Maria stolz präsentiert, erfahren wir, dass sie sich als „Beisler“ bezeichnen und eine eigene Hymne haben. Angeblich lassen sie sogar eigene T-Shirts speziell für diesen Anlass bedrucken. Derartigen Aufwand wollen wir nicht betreiben; wir konzentrieren uns weiterhin auf das Wesentliche: Bier und Schnaps, die hier 3,60€ bzw. 2,80€ kosten und die wir zusammen mit kostenlosen Knabbereien genießen.

 

s’Sterneckerl

Wir wandern die Sterneckstraße entlang, vorbei an einem Bordell, der Rotkreuz-Zentrale und einem Reifenhändler, bis wir unseren nächsten Halt erreichen: s’Sterneckerl. Dass wir hier genau richtig sind, erkennen wir bereits am Rollator, der vor der Eingangstür geparkt ist. Als wir selbige öffnen, bekommen wir eine erste Kostprobe der hiesigen Luftqualität. Nichtraucherschutz wird im Sterneckerl – wie auch in allen anderen getesteten Beisln – klein geschrieben. Dem Servicecharakter der ÖH verpflichtet, nehmen wir aber auch diese Gefahr auf uns und betreten unerschrocken das Lokal. Für die akustische Untermalung sorgen hier – im Gegensatz zu den anderen Beisln – die Gäste; Musik hört man keine. Noch weniger als diese Tatsache stören uns die Getränkepreise: 3,50€ für das Bier, 2,50€ für den Schnaps – so macht Trinken Spaß!

 

Ein junger Mann mit stattlichem Vokuhila und stylischem Bauchtascherl nickt anerkennend.

 

Während wir uns über die Dartscheibe, die direkt über einem Tisch angebracht ist, wundern, werden wir von Martin*, einem der Stammgäste angesprochen. Dieser genießt nach zweijährigem Aufenthalt in einer Haftanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher (wegen übertriebener Notwehr) seit einigen Monaten endlich wieder die Freiheit. Noch 3-4 Jahre Bewährung, psychische Probleme überwinden, dann Familie gründen und Haus bauen – sein Kollege, ein junger Mann mit stattlichem Vokuhila und stylischem Bauchtascherl, nickt anerkennend. Von den meisten Gerichten auf der Speisekarte raten die beiden uns ab, lediglich das Schnitzel sei ganz in Ordnung („Do gibt’s goa nix!“) – um diese Uhrzeit solle man die Kellnerin damit aber lieber nicht nerven.

Bevor wir unauffällig die Flucht ergreifen, kontrollieren wir noch die Toiletten – Fazit: Sauber und auch hier hat man sicherheitshalber einen Kondomautomaten montiert. Wir fragen uns beim Verlassen des Lokals mit Raststättencharme besorgt, ob der Rollatorfahrer wohl seine Schneeketten mit hat. Mittlerweile hat es nämlich zu schneien begonnen.

 

Harry’s

Was vielversprechend klingt, sollte sich leider als Enttäuschung des Abends herausstellen. Schon von draußen ist klar erkennbar, dass es sich bei Harry’s im Einkaufszentrum ZIB nicht um ein Beisl im klassischen Sinn handelt, sondern eher um eine glitzernde und funkelnde, viel zu saubere und moderne Möchtegern-Hipsterbude für Menschen über 40. Weil wir weltoffene und tolerante Menschen sind, beschließen wir, der Bar trotzdem eine Chance zu geben, denn solange es Bier und Schnaps gibt, sind wir glücklich. Drinnen zeigt man an unserer Präsenz allerdings wenig Interesse. Es dauert 10 Minuten, bis wir endlich unsere Getränkewünsche kundtun können und auch dann wird das nur etappenweise zugelassen. Das führt dazu, dass das erste Bier (3,70€) schon wieder lauwarm ist, bis das letzte serviert wird. Zudem sind die meisten auf der Karte angepriesenen Spirituosen und Mischgetränke (Steirer, Twinni, Seitensprung etc.) nicht vorrätig. Einziger Lichtblick: Der hervorragend schmeckende Zirbenschnaps (3,20€).

Nicht nur optisch ist offenkundig, dass wir hier nicht in einem Beisl trinken, auch die Luftqualität bestätigt die Vermutung: Dass hier geraucht wird, merkt man nicht. Während wir uns fragen, ob das nun gut oder schlecht ist, entdecken wir die Highlights der Bar: Zwei Dartscheiben mit genug Platz und Pfeilen sowie Musikmagazine aus den 90ern und 00ern. Über Kurt Cobain und seine Boys sind wir jetzt bestens informiert!

 

Boomerang Pub

Das beste an Harry’s: Nur einmal umfallen (tatsächlich!) und man liegt vorm Boomerang Pub in der Fürbergstraße. Anders als der Name vermuten lässt, werden die hiesigen Dartscheiben nicht mit australischen Wurfhölzern beschossen, sondern mit ganz konventionellen Pfeilen. Man scheint dabei auch recht erfolgreich zu sein, denn die Regale biegen sich unter der Last zahlreicher kleiner, mittelgroßer und großer Pokale.

 

TV-Klassiker Sexy Sportclips

 

Chips werden von der charmanten Bedienung zu Bier (3,40€) und Schnaps (3,00€) kostenlos zur Verfügung gestellt. Dass es auch im Boomerang am locus necessitatis einen Kondomautomaten gibt, lässt uns annehmen, dass die Schallmooser Bevölkerung besonders verantwortungsvoll sein muss. Für Unterhaltung sorgt ein Fernsehgerät, auf dem zuerst die Wiederholung der Darts-WM, später dann der TV-Klassiker Sexy Sportclips läuft. Der Besuch des Boomerang wird so zum würdigen Abschluss unseres vierten Beisltests.

 

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für kommende Kontrolltouren freut sich die Redaktion außerordentlich (presse@oeh-salzburg.at).

 

Prost!

 

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.

 

*Name von der Redaktion geändert.

 

 

 

 

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