Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 3) – Maxglan

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

 

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

 

Teil 3 – Maxglan

Im noblen Salzburg gibt es wenige Viertel, in denen die Beisldichte hoch genug ist, um einen ordentlichen Beisltest durchzuführen. Das Arbeiterviertel Maxglan ist eines davon. Mit 14.000 Einwohnern ist Maxglan nach Lehen und Liefering der drittgrößte Stadtteil Salzburgs und als Standort der größten Privatbrauerei Österreichs wohl auch der wichtigste für unsere Zwecke. Begrenzt wird unser Spielfeld vom Flughafen im Südwesten, der Westbahnlinie im Norden und der Aiglhofstraße im Osten.

Kann man in Maxglan ordentlich tschechern?

Zugegeben, bisher war Maxglan ein blinder Fleck auf unserer Trinklandkarte. Mit Angst blickten wir daher unserem Vorhaben entgegen. Was würde uns wohl erwarten – besoffene Austria-Fans, trinkfeste Braumeister und bedüdelte Piloten? Die Furcht war so groß, dass sich mehrere Beisltouristen lieber zuhause versteckten, anstatt ihren ÖH-Servicepflichten nachzukommen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt – der harte Kern blickte der Gefahr heldenhaft ins Auge, um der Studierendenschaft die Antwort auf die wirklich wichtige Frage zu liefern: Kann man in Maxglan ordentlich tschechern? Zu diesem Zweck waren wir inkognito unterwegs, um wieder einmal streng unsere bekannten Spielregeln zu befolgen: Ein Bier und ein Schnaps pro Lokal und Person, danach wird weitergezogen.

 

Maxglaner Pub

Die erste Station des Abends war das Maxglaner Pub, das seinen Namen durchaus zu Recht trägt – liegt es doch direkt im Zentrum Maxglans, am Hans-Schmid-Platz (benannt nach dem Schöpfer des Rainer-Marsches), der mit seinem charmanten Kreisverkehr täglich die Salzburger Autofahrer entzückt. Für Trinker höchst erfreulich: die Bushaltestelle (Linie 1, 2, 20 und 28) direkt vor der Lokaltür. Und auch drinnen hält das Pub alle möglichen Annehmlichkeiten bereit: eine Dartscheibe, ausgewählte Schlagersongs und sanitäre Einrichtungen. Die Stammgäste – anfangs ob unseres Erscheinens noch eher skeptisch – treten uns gegenüber eher mit Gleichgültigkeit auf. Mit der Bestellung des zweiten Biers verwandelt sich diese in Akzeptanz, wie wir vermuten, denn von da an entschuldigt man sich für danebenfliegende Dartpfeile. Nach diesem ersten Regelverstoß und ohne eine Partie Darts gespielt zu haben, ziehen wir weiter.

 

Platzhirsch

Nur einen Katzensprung vom Maxglaner Pub entfernt, in einem unscheinbaren Haus in der Siezenheimer Straße befindet sich der Platzhirsch, der – obwohl bereits gut gefüllt – noch genug Platz für uns hat. Die Stammkundschaft empfängt uns dort bereits deutlich freundlicher, der Wirt geradezu enthusiasmiert. Selbiger muss sich durch die enge (aber gemütliche!) Bar zwar gewissermaßen zu uns durchkämpfen, die begehrten Flüssigkeiten – Bier und ein hervorragender dreifach gebrannter (was auch immer das heißen mag) Himbeerschnaps – erreichen uns schließlich aber unversehrt.

„Da Chef hot gsogt, i derf ned mit eich redn –  weu i so unguad bin“

Neben den moderaten Preisen macht auch die exzellente Musikauswahl den Platzhirsch zum sympathischsten Lokal des Abends: Es läuft eine ca. 20 Titel umfassende Playlist mit den größten Hits der 90er Jahre (vor allem What is love?). Der Kontakt zu den Stammgästen unterbleibt großteils – unter anderem mit dem Hinweis „Da Chef hot gsogt, i derf ned mit eich redn – weu i so unguad bin“. Besagter Chef ist dann auch sehr traurig, als wir unseren Aufbruch ankündigen und ringt uns das Versprechen ab, ihn bei seinem Stand am Christkindlmarkt zu besuchen. Wir willigen ein und dürfen weiterziehen.

 

Hofa Stüberl

Dass die Maxglaner Beislinfrastruktur hervorragend an das ÖPNV-Netz angeschlossen ist, zeigt sich auch bei unserer nächsten Station – dem Hofa Stüberl. Auch hier befindet sich die Bushaltestelle direkt vor dem Lokal und auch hier ist man von unserem Eintreffen sichtlich überrascht. Das Verhältnis von Stammgästen zu Beisltouristen beträgt ca. 1:5. Ehrfurchtsvoll, als ob man insgeheim wissen würde, auf welch wichtiger Mission wir uns befinden, macht man uns sogleich Platz und bedient uns. Wir entscheiden uns mangels Alternativen für eine bekannte Kräuterschnapsmarke und ein gewöhnliches Bier. Die Dartscheibe lassen wir auch hier ungenutzt. Den Zugang zu den Toiletten hütet ein altersschwacher, aber nicht zu unterschätzender Wachhund, dessen Abschreckungspotential eher im Überraschungsmoment als in aggressivem Auftreten liegt. Dennoch lassen wir uns sicherheitshalber zuerst bestätigen, dass wir den Weg zum locus necessitatis ungebissen überstehen würden. So geschieht es dann auch. Unbeschadet können wir unsere Rechnung begleichen und weiterziehen.

 

Zwergerlwirt

Die letzte Station des Abends ist der Zwergerlwirt in der Kleßheimer Allee – bekannt für die mehr oder weniger regelmäßigen Stammtische der rechtsextremen Identitären und der nicht minder rechtsextremen freiheitlichen Parteijugend. Wir dürfen das Lokal auch ohne Hitlergruß ungehindert betreten und finden auch gleich einen Platz. Unsere Tischnachbarn ahnen wohl, dass es sich bei uns nicht um die übliche Klientel des Zwergerlwirten, sondern um linksgrünversifftes Gesocks handelt, und flüchten an einen anderen Tisch. Pflichtbewusst bestellen wir Bier und Schnaps und verlangen, weil einige von uns mittlerweile auch der Hunger plagt, die Speisekarte. Wir entscheiden uns für Käsekrainer, die einige Zeit später serviert werden und – soweit sich das nach mehreren Bieren und Schnäpsen beurteilen lässt – hervorragend schmecken. Man kann über die Rechten sagen, was man will – mit Würsten kennen sie sich offensichtlich aus! Die geschätzte Pressereferentin, die sich unerlaubterweise statt des Biers ein Gläschen Sturm bestellt hat, wird für dieses Vergehen sofort bestraft – der Sturm schmeckt scheußlich. Nachdem die rechten Würstchen vernichtet sind, hält uns allerdings nichts mehr in der Gaststätte und wir ergreifen die Flucht.

 

Honorary Mention: Laterndl

Ursprünglich wegen der angeblichen Öffnungszeiten (die Suchmaschine lügt!) als Ausgangspunkt unseres ausgeklügelten Prüfverfahrens gedacht, waren wir schwer enttäuscht, als wir dann vor verschlossenen Laterndl-Türen standen. Aufgrund eines inzwischen mehrere Jahre zurückliegenden Kurzaufenthalts in diesem Etablissement in der Innsbrucker Bundesstraße können wir aber einigermaßen zuverlässig sagen, dass sich ein Besuch lohnt!

 

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für die nächsten Beisltests freut sich die Redaktion ganz besonders (presse@oeh-salzburg.at).

 

Prost!

 

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.

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