Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 2)

uni:press Beisltest Teil 2

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

 

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

 

Teil 2 – Lehen

Massenschlägereien, Ghettobildung, Salzburgs Schmuddelecke oder dunkler Hinterhof – das sind topgereihte Schlagworte, die Google auf die Suchanfrage „Salzburg Lehen“ liefert.

Zugegeben, mit dem Bild Lehens in der öffentlichen Wahrnehmung ist es nicht zum Besten bestellt. Berichte über Gewaltexzesse, Drogenkriminalität, Verkehrschaos und selbstverständlich den Brennpunkt Lehener Park, wo sich unterschiedliche Ethnien regelmäßig Auseinandersetzungen liefern, scheinen omnipräsent zu sein. Doch wie steht es wirklich um Lehen? Schließlich hat der nordwestlich gelegene Stadtteil doch in den letzten Jahren eine ambitionierte Aufwertung erfahren – siehe ehemaliges Stadtwerke-Areal, ehemaliges Lehener-Stadion, oder gegenwärtig der Umbau am Rauchmühlenareal an der Glan. Kann man in Lehen des Nächtens unterwegs sein, ohne Angst haben zu müssen? Kann man im mit 15.000 EinwohnerInnen am dichtesten besiedelten Viertel Salzburgs gepflegt auf ein Glaserl gehen? Diese drängenden Fragen haben wir uns zum Anlass genommen, um erneut zu einem Beisltest auszuschwärmen: Inkognito und die Spielregeln wie gehabt: Pro Beisl und Person ein Bier und einen Schnaps – Willkommen in Lehen!

 

Oldtimer

Just am Rande des berühmt-berüchtigten Lehener Parks befand sich unser erster Stopp: Das Oldtimer. Das sympathische Musik-Café in der Franz-Martin-Straße gehört zweifellos zu den Institutionen des Lehener Nachtlebens, existiert es doch bereits seit 1972. Das Interieur wird dem Namen des Lokals gerecht: Alte Blechschilder, Bilder und dekorativer Krimskrams mit einem Hauch vom Amerika der 1960er versprühen nostalgisches Flair.

Sympathisches Musik-Café mit Schani-Garten

Hinter der Bar findet sich eine üppige Auswahl an Schallplatten – von AC/DC bis Frank Zappa – die am hauseigenen Plattenteller abgespielt werden können. Das Personal ist äußerst freundlich und verfügt über guten Schmäh. Wir bestellten in klassischer Beisltest-Manier je ein Bier sowie einen Schnaps und stellten fest, dass die Preise sehr vernünftig sind. Ein weiteres Highlight am Oldtimer ist definitiv der gemütliche Schanigarten. Adriatische Urlaubsgefühle – und das mitten in Lehen. Die ihn umringenden Gewächse sorgen für die notwendige Diskretion, sollte man sich entschieden haben, die Sonne bei einem kühlen Getränk zu genießen, anstatt in der Lehrveranstaltung zu hocken. Vor etwaigen peinlichen Begegnungen mit und verurteilenden Blicken von KommilitonInnen oder ProfessorInnen ist man somit bestens geschützt. Selbstverständlich mussten wir – in offizieller Mission, der Service-Orientierung der uni:press verpflichtet – davor keine Angst haben. Leider hat das Oldtimer nur bis 01:00 Früh geöffnet, obwohl vor allem in lauen Sommernächten der charmante Gastgarten zum längeren Verweilen einlüde.

 

Zum Stern

Nur einen halben Katzensprung vom Oldtimer entfernt, in derselben Straße, versteckt sich das Pub Zum Stern. Wie letztens Joe’s Garage entpuppte sich der Zufallsfund als wahrer Glücksgriff. Im Zum Stern wurden wir sofort freundlichst bedient und uns die Empfehlungen nahegelegt.

Bier und Mannerwafferlschnaps

Wir entschieden uns – wie im Reglement vorgesehen – für ein Bier und einen Schnaps. Genauer gesagt einen Haselnussschnaps – vorzüglich. Dessen Beschreibung als „Mannerwafferlschnaps“ trifft definitiv ins Schwarze. Auch preislich kommt das Zum Stern dem oftmals knappen Studierendenbudget entgegen. Da es in den wenigen lauen Frühsommernächten in Salzburg ein Frevel wäre, in einem Lokal zu hocken, machten wir uns im ebenso gemütlichen und diskreten Gastgarten breit. Musik vernahmen wir nur im Hintergrund. Es dürfte sich um Charts gehandelt haben. Nach anfänglichem Zögern wurden wir auch von den uns umringenden Stammgästen herzlich aufgenommen und in das ein oder andere Gespräch verwickelt. Ihre Lehen-Expertise und ihre Auskunftsfreudigkeit sollten für den späteren Abend noch Gold wert sein. Die Sanitäreinrichtungen sind gepflegt; wenn auch etwas eng. Die gute Ausstattung derselbigen macht diesen Umstand wieder wett. Auffällig war zudem eine dort vorhandene Fluchtluke. Wofür? Entweder handelte es sich dabei um eine Einfallsluke für Ninjas oder einen Fluchtweg für Zechpreller. Für den kleinen Hunger bietet das Zum Stern etwas Besonderes: Direkt danebengelegen befindet sich das (oder der?) Kumpel Kebap – und der Name ist Programm. Dort können Speisen geordert werden, die anschließend ganz bequem zum Verzehr in den Schanigarten geliefert werden. Natürlich machten wir von dieser Möglichkeit Gebrauch. Fazit: Köstlichst und preiswert.

 

Pelikan

Der nächste Stopp auf unserer Liste war das Pelikan, direkt an der Lehener Hauptverkehrsader, der Ignaz-Harrer-Straße. Sogleich nach Betreten wurde von der netten Bedienung unsere Bestellung aufgenommen und wir staunten nicht schlecht: Das Pelikan war das preiswerteste Lokal des gesamten Abends. Ein Bier aus der Flasche bekommt man hier noch für vertretbare 3,40 und einen Kurzen – in diesem Fall Marille – für 2,20.

Das eigentlich kleine Pelikan besticht außerdem durch seine konsequente Umsetzung des inkonsequenten Nicht-RaucherInnenschutzes in Österreich, der EU-weit nicht nur belächelt, sondern auch bestaunt wird.

Es gibt mit der Bar und einem zweiten Raum zwei Raucherbereiche. Eine kleine, nicht wirklich abgetrennte Stube ist für Nicht-Raucher vorgesehen. Daneben befinden sich die Sanitäreinrichtungen, die – gelinde gesagt – zumindest vorhanden sind. Positiv hervorgehoben werden muss definitiv der vorhandene Dart-Automat mit einem reichhaltigen Sortiment an Pfeilen für Vergnügungswillige. Zwar hat das Pelikan auch nicht wirklich lange für NachtschwärmerInnen geöffnet, aber wenn man zumindest in einer kleineren Gruppe unterwegs ist, sind die BetreiberInnen gewillt, noch die eine oder andere Runde nach offizieller Sperrstunde zu servieren.

 

Rossegger Stüberl

Danach ging es in das legendäre Rosseggerstüberl in der gleichnamigen Straße. Vorab muss erwähnt werden, dass uns erst nach Klingeln und zweifelnden Blicken der Einlass „ausnahmsweise“ gewährt wurde. Angeblich hatte das Lokal bereits geschlossen. Diese Ausnahme würdigend setzten wir uns sofort an einen Tisch und wurden von der rustikalen Kellnerin ohne Zeitverlust bedient. Im Rossegger servieren sie Trumer Bier, was die einen jubeln und die anderen ob Kopfweh am Folgetag verzagen lässt. Als Höherprozentiges wurde uns Raki mit Wasser empfohlen – ein Angebot, das wir natürlich annahmen.

Gemütlichkeit mit halbem Kartendeck

Das Lokal bietet seinen Gästen außerdem Rommé-Spielkarten zur Unterhaltung an. Zuerst muss aber aus einem Stapel Karten ein spielbares Kartendeck zusammengesucht werden. Uns war das zu mühsam, weshalb wir auf den Spielgenuss verzichteten. Im Rossegger Stüberl wird (noch) der RaucherInnen-Schutz groß geschrieben, denn dort darf überall geraucht werden – mit entsprechender Auswirkung auf die Luftqualität. Eigentlich wollten wir, regeltreu, nach der ersten Runde wieder weiterziehen. Doch die Kellnerin sah das wohl etwas anders und erfreute uns mit ihrer Gesellschaft bei Tisch. Dass das fesselnde Geschichten ohne Ende und kleine Frotzeleien/Sticheleien am laufenden Band bedeutete, wird wohl niemand wirklich anzweifeln. Wir ließen uns darauf ein und feuerten auch den einen oder anderen Witz zurück, was summa summarum das Rezept für einen amüsanten und gelungenen Aufenthalt im Rossegger Stüberl war.

 

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gäbe es doch noch einige Klassiker in Lehens Nachtleben zu besuchen. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und der eingeschränkten Öffnungszeiten blieb uns dies jedoch versagt; an dieser Stelle ein Hinweis für BeisltouristInnen in spe: Der frühe Vogel fängt den Wurm – die meisten Beisln schließen vor Mitternacht, weshalb es sich empfiehlt, schon am späten Nachmittag loszuziehen. Eine Studierendengruppe nachts in diesen Lehener Lokalen dürfte wohl etwas Exotisches sein. Die von uns besuchten BeislbetreiberInnen waren aber sichtlich über unsere Anwesenheit erfreut. Und auch die Stammgäste zeigten sich freundlich und aufgeschlossen. Zugegeben, mit einer Sperrstunde um 01:00 – während der Woche sowie am Wochenende – werden sich die meisten Beisln in Lehen wohl kaum zu angesagten Treffs unter Studierenden entwickeln. Eine nette Erfahrung und willkommene Abwechslung stellen die von uns besuchten Lokale mit Sicherheit dar. Natürlich können wir nur subjektiv von unseren Erfahrungen berichten und natürlich gab und gibt es in Lehen soziale Brennpunkte und Probleme, die dann und wann überkochen. Wir hatten allerdings zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, in Gefahr zu sein und können einen Beislbesuch in Lehen definitiv weiterempfehlen.

 

Über Anregungen und Geheimtipps für Zukünftiges freut sich übrigens die Redaktion unter presse@oeh-salzburg.at
Prost!

 


Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.

 

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