Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 11) – Taipei

uni:press Beisltest Teil 2

Taipei? Den Stadtteil Salzburgs kennen Sie noch gar nicht? Keine Sorge! Die Hauptstadt Taiwans liegt erfrischend weit von Mozart entfernt. Dank subventionierter Reisen mittels fetter ÖH-Geldtöpfe, aus denen die uni:press-Redaktion gierig speist, haben wir diesmal den Beislest in den Osten der Welt verlegt. Beisltest vom Auslandskorrespondenten Calos Petel Leinelt

Es ist 18 Uhr, die Sonne im Begriff unterzugehen. Der Hitze macht das nichts aus. Sie niestet sich in die 100%ige Luftfeuchtigkeit ein, die sich in der stickigen Luft und unter meinen Achseln breit macht. Also erst mal ein Bier und einen Schnaps suchen, so verlangen es die Beisltest-Statuten.

Auf der Suche nach den berüchtigten Straßenmärkten verirre ich mich durch die Gassen Xianmens. Da steht ein Brandopfer an der Ecke und singt für Geld in eine mobile Karaoke-Anlage. Die Sonnenbrille deckt nur einen kleinen Teil seines verbrannten Gesichts ab. Natürlich muss ich, Gott hab ihn selig, sofort an unseren Niki denken. Ich krame nach Münzen, 10, 50, oder doch 1? Ich habe den Wechselkurs vergessen. Verwirrt frage ich mich, was denn, Gott hab ihn selig, unser Niki tun würde und stecke das Portemonnaie erleichtert wieder ein.

Als ich mich zu verirren drohe, leitet mir eine besonders perfide Penetration des olfaktorischen Sinns, eine abartig-kranke Vergewaltigung der Nase, die sie hier euphemistisch stinky Tofu nennen, den Weg zum Nachtmarkt.

Dem Gestank folgend bestell ich mir am ersten Standl neben einem frittierten Hühnerkopf ein Bier. Weil der Schlitzaug weder „Spirit“ noch „Shot“ versteht, versuche ich pantomimisch mit meinen Fingern ein Stamperl darzustellen. Der Verkäufer – so vermute ich – ruft herum, dass ich auf der Suche nach einem kleinen Penis sei, was kollektives Gelächter auslöst. Glücklicherweise kommt gerade ein Geschäftsmann aus Hongkong vorbei, dem ich von meiner journalistischen Pflicht erzähle.

Kurze Zeit später stehen wir beide mit einem nach Benzin riechenden, halbgefüllten Wasserglas da – offenbar gibt es hier ein russisches Verständnis für Stamperl. Wir kippen das Ding runter. Es schmeckt leichter als es riecht. Mein neuer Freund fragt, ob wir noch einen trinken sollen. Ich mag ihn.  Ich antworte allerdings, dass ich nicht zwei Mal vom selben Ort bestellen dürfe, dass seien die Statuten. Also gehe ich einen Schritt zur Seite und bestelle beim nächsten Stand neben einem getrockneten Schweinsblut-Lutscher zwei Bier. Als ich pantomimisch zwei Stamperl bestellen will, brüllt die Verkaufsdame irgendetwas Chinesisches und Gelächter hallt abermals durch die gedrängte Gasse. Ich frage den Hongkonger, was sie gesagt habe, der übersetzt: „Ob du jetzt schon auf der Suche nach zwei kleinen Penissen seist!“

Etwas gezwungen lache ich mit. Kurze Zeit später gibt es die nächsten Gläser Benzin, die wir unverzüglich mit dem Bier runterspülen. Als mich der Hongkonger fragt, ob wir einen Schritt weiter dasselbe bestellen wollen, muss ich ihn spontan umarmen.

Mein Kopf dröhnt. Da trifft mich die Erleuchtung und ich kaufe einen bereits mit Tinte befüllten Tintenstift. Ich bitte meinen neuen Freund, ach was sage ich da, meinen besten Freund, mir auf den linken Arm das Chinesische Zeichen für „Bier“  zu schreiben und auf den rechten „Schnaps“. Ich spiele mit dem Gedanken, mir sicherheitshalber noch „Mädel“ irgendwo draufpinseln zu lassen, halte es dann allerdings doch für zu gewagt.

Zwei Schritte weiter, zwei Bier, zwei Gläser Benzin. Nach vier weiteren Ständen fällt mir auf, dass ich nur mehr alleine bin. Wahrscheinlich schon seit geraumer Zeit. Ich irre ein wenig durch das eingassige Labyrinth. Ein paar ältere Pensionisten lachen mich aus, deuten auf meine Arme und fragen: „Tattoo? Tattoo?

„No, that’s no tattoo! That‘s only  Pinsel!” Ich lache mit Ihnen, rülpse kurz, wobei mir ganz unangenehm ein Stückchen Hühnerkopf in Form von Erbrochenem die Speiseröhre hochwandert. Schnell schlucke ich es runter. Hoffentlich, hoffentlich lass ich mir den Blödsinn später nicht tätowieren.

Kurze Zeit später stehe ich mit den Pensionisten in einer Karaoke-Box und singe Falcos Amadeus. Als die Kellnerin in unsere kleine Box kommt, deute ich auf meine Arme, woraufhin sie lächelt und mir schnurstracks ein Bier und ein Glas Benzin bringt. Ermutigt fass ich ihr ordentlich an den Hintern, wenige Sekunden später liege ich in der Gasse und mehrere Paare weißer Sneakers treten mir in den Magen. Here we go again.

Ich taumle zurück zur U-Bahnstation und laufe wieder dem taiwanesischen, Gott hab ihn selig, Niki über den Weg. Der singt gerade eine chinesische Version von I believe, I can fly, was mir eine Heidenangst einjagt. Sicherheitshalber krame ich nochmal in meiner Tasche, und werfe ihm ein paar Münzen hin.

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