Der ultimative uni:press-Beisltest (Teil 10) – Gnigl

uni:press Beisltest Teil 2


Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

Teil 10 – Gnigl

Die Gnigl (ja, wirklich: feminin!) ist der Salzburger Stadtteil (oder sagt man dann die Stadtteilin?) mit dem wohl seltsamsten Namen (knapp gefolgt von Morzg und Parsch). Je öfter man ihn hintereinander ausspricht, desto komischer wird er. Probiert es selbst: Gnigl, Gnigl, Gnigl, Gnigl, … Witzig, nicht? Wie dem auch sei: Der Name Gnigl stammt vom keltischen Wort Glanicle und bedeutet klares Wasser (übrigens selbe Wortherkunft wie beim Fluss Glan). Gemeint ist damit wohl der Alterbach. Die Gnigl liegt im Nordosten der Stadt, begrenzt von Kühberg und Heuberg im Osten, besagtem Alterbach im Norden, den Bahngleisen im Westen sowie der Neuhauser Straße und Anton-Graf-Straße im Süden. Auf rund 150 Hektar leben hier ca. 6.000 Menschen.

Die Gnigl ist der Salzburger Stadtteil mit dem wohl seltsamsten Namen.“

Im Gegensatz zu allen anderen Stadtteilen besitzt die Gnigl zwei getrennte historische Siedlungskerne: Das alte Mühlendorf Obergnigl entlang der Grazer Bundesstraße an der alten Eisenstraße in die Steiermark und das Handwerker- und Kleinbauerndorf Niedergnigl an der Linzer Bundesstraße. 1935 wurde die Gnigl in die Landeshauptstadt eingemeindet.

Zugegeben, so richtig vertraut waren wir mit der Gnigl nicht. Wir kannten das Viertel in erster Linie vom Durchfahren und wussten höchstens, dass es hier eine Obuskehre gibt. Dieser Mangel an Wissen ist zwar einerseits schlecht, vor allem in Kombination mit unseren Recherchegewohnheiten[1]; andererseits spricht es für den Stadtteil, dass man über ihn keine Raub- und Mordgeschichten kennt. Wir ziehen also unvorbereitet, aber auch unaufgeregt in die Schlacht, die da heißt: Beisltest. Die Regeln: wie immer ein Bier und ein Schnaps pro Lokal, dann folgt die nächste Station.

Gnigler Stub’n

Erste Station des Abends ist die Gnigler Stub’n in der Linzer Bundesstraße. Für den kleinen Gastgarten vor dem Beisl ist es am Testtag leider zu nass. Wir betreten die Stub’n daher durch den Haupteingang und gelangen direkt in den voll besetzten Raucherbereich, in dem sich auch die Bar befindet. Hinter einer Glaswand befindet sich der großzügige, jedoch komplett leere Nichtraucher-Bereich. Dem Namen des Lokals entsprechend fühlt man sich hier angesichts der Einrichtung sofort so als wäre man bei Oma zu Besuch. Nachdem wir das bestellte Bier bekommen haben, lassen wir uns von der Wirtin die ausführliche, aber für Laien nicht immer auf den ersten Blick verständliche Schnapskarte erklären. Bestellt wird dann Zirbenschnaps – einer tanzt aus der Reihe und trinkt einen “Oachkatzlschwoaf” (Wafferl in Stamperlform, innen Schoko, gefüllt mit Toffee-Likör, gekrönt mit Schlag). In der zweiten Runde wagt wieder ein Teilnehmer ein Experiment und bestellt Weichsel-Chili-Schnaps – empfehlenswert!

Für Laien nicht immer auf den ersten Blick verständliche Schnapskarte“

Wie in vielen anderen Beisln hängen auch in der Gnigler Stub’n zahlreiche Urkunden, die in einer exotischen Sportart erkämpft wurden: Asphaltschießen. Auch im Lokal selbst soll das sportliche Vergnügen nicht zu kurz kommen: Im Raucherbereich steht der Nagelstock, auf dem allerdings wohl keine offiziellen Wettkämpfe ausgetragen werden – zumindest wäre das nicht durch irgendwelche urkundenartigen Dokumente belegt. Die sauberen Toiletten sind übrigens sowohl diesseits als auch jenseits der Glaswand erreichbar. Auch essenstechnisch hat das Lokal einiges zu bieten; voller Neid blicken wir gen Raucherbereich, wo Grillwürstel serviert werden. Den Geschmack können wir nicht beurteilen, aber zumindest optisch sind sie top.

Kurz vor Redaktionsschluss hätte die Gnigler Stub’n beim Testteam beinahe für den einen oder anderen Herzinfarkt gesorgt. Samstag, später Nachmittag, ideale Beislzeit – zugesperrt. Der Gastgarten: abgebaut. Schock! Hat der Beislfluch[2], von dem wir glauben, besessen zu sein, etwa schon wieder zugeschlagen? Wir können zumindest vorerst Entwarnung geben: Die Gnigler Stub’n dürfte noch immer geöffnet sein.

Country Saloon

Nächste Station und gleichzeitig in vielerlei Hinsicht Highlight des Abends ist der Country Saloon in der Schillinghofstraße. Man betritt das Grundstück stilecht wie im Wilden Westen durch eine Schwingtür. Drinnen angekommen fühlt man sich regelrecht erschlagen von all den Gegenständen, die da an den Wänden hängen oder von der Decke baumeln. Der Saloon ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, weshalb wir uns mit einem Mini-Tisch begnügen müssen. Freundliche Mitgäste sorgen aber immerhin dafür, dass niemand von uns stehen muss und überlassen uns netterweise ihren Jacken-Ablage-Sessel. Für kurzzeitiges Amüsement sorgen die vielen Täfelchen mit lustigen Bürosprüchen à la “Ich brauche keinen Sex. Das Leben fickt mich jeden Tag!”.

Bestellt man hier Tequila, so wird dieser von einem Mini-Zug geliefert, der die Wände entlang fährt.“

Weniger spaßig ist die restliche Wanddeko: Eine Konföderiertenflagge, ein Marterpfahl, FC Red Bull-Hooligan-Utensilien und mehrere ausgestopfte Tiere. Sind wir hier etwa in Gefahr? Sicherheitshalber reden wir nur mehr über das Wetter und nicht mehr über unsere politischen Umsturzpläne, zumal hinter der Bar zahlreiche Aufnäher und Aufkleber verschiedener internationaler Polizeieinheiten hängen (oh Gott, eine Cop-Bar!). Zurück zum Positiven: Bestellt man hier Tequila, so wird dieser von einem Mini-Zug geliefert, der die Wände entlangfährt. Einzige Schwierigkeit dabei: Die Gleise verlaufen so hoch oben, dass die Mindestgröße für den Schnapskonsum 1,85 beträgt. Dass der Country Saloon ein Raucherlokal ist, fällt dank der guten Lüftung fast nicht auf.

Cafe Laganini

Etwas enttäuschend verlief unser Besuch im Cafe Laganini in der Linzer Bundesstraße, nur wenige Meter von der Gnigler Stub’n entfernt. Just am Tag unserer Beisltour fand hier ein Konzert statt – die zehn Euro Eintritt wollte die Mehrheit der BeisltouristInnen nicht berappen. Die halbe Minute, die wir im Lokal verbracht haben, war aber durchaus vielversprechend, ein Besuch könnte sich also lohnen. Hier dürfte es regelmäßig Karaokeabende und Auftritte diverser No-Name-Bands geben. Insider-Infos zufolge dürfte das Lokal außerdem öfter den Namen wechseln (vormals: “Atemlooos”).

Gasthaus zu den Sieben Schwaben

Letzte Station unserer Gnigl-Expedition ist das Gasthaus zu den Sieben Schwaben in der Fürbergstraße am Schallmooser Ende der Schwabenwirtsbrücke. Halt, Moment!, wird jetzt der eine oder andere sagen, das liegt doch nicht in der Gnigl, sondern schon in Schallmoos. Der Einwand ist zwar durchaus berechtigt, allerdings gehört zur Katastralgemeinde Gnigl auch ein Teil von Schallmoos. Zudem ist ein Beisltest auch keine exakte Wissenschaft, also alles im grünen Bereich. Von außen handelt es sich bei den Sieben Schwaben um ein unscheinbares Lokal. Innen ist es modern und gemütlich eingerichtet. Die Speisen sollen hier hervorragend schmecken und auch nicht zu teuer sein; wir kommen an diesem Tag leider zu spät, die Küche hat schon zu. Die Junggebliebenen unter uns geben sich mit einem Lutscher zufrieden. Zur Sperrstunde werden wir schließlich hinaus gebeten und beenden damit unseren Ausflug in die Gnigl.

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für die nächsten Beisltests freut sich die Redaktion ganz besonders (presse@oeh-salzburg.at).

Prost!

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.


[1] Wir recherchieren vor Beisltests prinzipiell nicht.

[2] RIP Joe’s Garage, Platzhirsch, Johanna’s Secession & Nohau.

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