uni:press Beisltest Teil 2

Der ultimative uni:press-Beisltest

Fortgehen abseits des (studentischen) Mainstreams

Teil 13 – B1
Rudolfskai, Gstättengasse, Bergstraße oder Imbergstraße – das sind die Topadressen des Salzburger Nachtlebens. Topadressen? Wirklich? Wir haben uns schick gemacht und für euch Lokale abseits des studentischen Nachtlebens getestet, damit ihr ein Refugium findet, wenn euch die Segabar zu fad wird.

Weil Salzburg in Wirklichkeit nur ein etwas größeres Dorf ist und uns deshalb allmählich die Stadtteile ausgehen, sind wir zu Kreativität in der Beisltestroutenfindung gewissermaßen gezwungen. Was böte sich da besser an als eine Straße, die nicht nur durch ganz Salzburg, sondern gleich durch halb Österreich verläuft? Die Rede ist von jener Straße, die unter verschiedenen Namen das Stadtgebiet von West nach Ost quert – der B1 oder auch Wiener Straße.
Beginnend an der Staatsgrenze zu Deutschland führt sie als Walserberg Bundesstraße bis zur Autobahnauffahrt Salzburg West, dann als Innsbrucker Bundesstraße vorbei am Einkaufszentrum in Himmelreich, dessen Name amerikanische Touris verwirrt (Designer Outlet Center/DOC), unter der Flughafenpiste durch, weiter bis Aiglhof. Dort ändert sie den Namen und führt als Rudolf-Biebl-Straße nach Lehen, wo sie dann zur berüchtigten Ignaz-Harrer-Straße wird. Nach Querung der Salzach heißt sie Saint-Julien-Straße, dann Gabelsbergerstraße und Sterneckstraße. Ab der Sterneckkreuzung führt sie als Linzer Bundesstraße bis zur Stadtgrenze.

B1 steht in Wirklichkeit für Beislstraße Nr. 1

Zugegeben, anfangs waren wir skeptisch, ob sich die enormen Distanzen im Rahmen eines einzigen Beisltests bewältigen lassen würden. Obus sei dank war das aber schließlich kein Problem. Enorm sind aber nicht nur die Entfernungen, enorm ist auch die Anzahl der Beisln entlang der B1. B1 – das wissen die wenigsten – steht in Wirklichkeit für Beislstraße Nr. 1. Viele großartige Lokale entlang der Straße haben wir bereits abgearbeitet, trotzdem sind immer noch so viele übrig geblieben, dass es sich beim vorliegenden Beisltest wohl um den längsten der Geschichte handelt. Die altbewährten Regeln gelten trotzdem: 1 Bier und 1 Schnaps pro Lokal, danach wird kompromisslos weitergezogen.

Himmelreich Pub
Ausgangspunkt unserer Reise ist das Himmelreich Pub in Wals. Streng genommen liegt es nicht direkt an der B1, gehört aber zum gigantischen Einkaufszentrumskomplex vor den Toren der Stadt, und zumindest der liegt an der B1. Und überhaupt, seit wann werden die Dinge beim Beisltest streng genommen? Aber genug der Rechtfertigungen, hier soll es um die wesentlichen Dinge im Leben gehen. Das Himmelreich Pub liegt unscheinbar und versteckt zwischen den diversen Geschäften jener zubetonierten Gewerbegebietshölle, die man am Rande jeder Salzburger Gemeinde findet. Umso angenehmer ist die Innenarchitektur – ein stilvoller Mix aus mediterranem Flair und Wild-West-Atmosphäre. Während die Wandbemalung und Sonnensegel an den Griechenlandurlaub erinnern, lassen Telegrafenmasten und Longhorn-Schädel John Wayne an der Bar vermuten. Jederzeit könnten maskierte Viehdiebe den Saloon/die Taverne betreten und eine Schießerei anzetteln. Den besten Ausblick hätte man von den kleinen Balkonen, die einen darauf warten lassen, dass der Wirt zum Volk predigt wie ein Pfarrer von der Kanzel. Sie sind leider nur Zierde.

Jederzeit könnten maskierte Viehdiebe den Saloon betreten und eine Schießerei anzetteln.

Besagter Wirt ist ein fröhlicher Geselle, der die zahlreichen Stammgäste mit viel Humor bedient – nur kassieren darf er nicht selbst, dafür ist die Chefin zuständig. Ob das mit dem Glücksspielautomaten im finsteren Eck zusammenhängt, bei dem er einige Zeit verbringt, sei dahingestellt. Musikalisch untermalt wird alles von einer Schlager-Playlist auf Youtube. Dass wir hier schon um vier Uhr Nachmittag Schnaps bestellen, fällt nicht auf; im Gegenteil, es wirkt so als hätte man sehnsüchtig darauf gewartet, wann die Newcomer endlich Feuerwasser bestellen. Dem kleinen Hunger verschafft gschmackiger Leberkäse Abhilfe. Und auch die Toiletten sind einwandfrei: Die unzweideutigen Fotos an den Wänden sind das einzig Schmutzige daran. Aufgrund des dicht gedrängten Programms müssen wir schon nach nur zwei Bieren weiterziehen – schade, hier bliebe man gerne länger!

Martha!
Nur einen kleinen Fußmarsch weiter liegt das Restaurant/die Bar/das Café Martha!, das für die Bezeichnung “Beisl” – zumindest teilweise – eigentlich viel zu nobel ist. Im Restaurantbereich könnte man genauso gut ein Familienessen abhalten. Der Barbereich ist geschmackvoll eingerichtet, nicht zu voll und das Licht schummrig – ideale Voraussetzungen für ein erstes Date wie jenes am Nachbartisch. Neben Bier und Schnaps bekommen wir eine Lovestory zum Mitfiebern gratis dazu. Dass die beiden Turteltäubchen dann auch noch das Essen teilen, lässt unsere Herzen komplett dahinschmelzen.

Neben Bier und Schnaps bekommen wir eine Lovestory zum Mitfiebern gratis dazu.

Besonders empfehlenswert ist neben dem ausgezeichneten Essen angeblich der Preiselbeerspritzer, mit dem die Pressereferentin zum wiederholten Mal gegen die Beisltestrichtlinien verstößt. Sie gilt hiermit als verwarnt. Der nächste Verstoß kostet eine Runde Schnaps! Man kann sich bei Martha! durchaus gemütlich einen reinzwitschern, wer allerdings auf die klassische Drangla-Gesellschaft wert legt, wird hier nicht glücklich.

Wir ziehen weiter, unter der Flughafenpiste durch zum Café Bistro Anita, das an diesem Abend allerdings geschlossen hat (danke für die zuverlässige Auskunft, Google!). Unsere Recherchen haben aber ergeben, dass es sich hier um ein durchaus besuchenswertes Beisl handelt. Unser Weg führt uns also weiter Richtung Aiglhof, vorbei an den bereits von uns kontrollierten Beisln Zur Alm und Wunderbar zur nächsten Station:

Pi Pa Pu/Kebab City
Gut getarnt, aber durch das Schaufenster doch als Beisl erkennbar ist dieses Lokal, dessen Namen wir nicht definitiv abklären konnten. Heißt es nun Pi Pa Pu oder doch Kebab City? Für sachdienliche Hinweise revanchieren wir uns mit ewiger Dankbarkeit. Eines ist aber klar: Hier verkehren laut Stammgast Franz zu 90 Prozent ArbeiterInnen (die restlichen zehn Prozent seien Chaoten, versichert er uns). Für den gelernten Dachdecker und Spengler ist das Beisl der Zweitwohnsitz. Hier kommt er Tag für Tag nach getaner Arbeit her und trinkt stets zwei Bier (das erste und das letzte, haha). Mit unserer alten Bekannten Gerlinde, die wir beim letzten Beisltest kennen gelernt haben, versteht er sich weniger gut. Sie muss deshalb pünktlich zur Sperrstunde hinaus, während die restlichen Gäste und netterweise auch wir Neulinge noch bleiben dürfen. Ansonsten ist Franz aber, wie auch der Rest der Belegschaft, überaus sympathisch.

Regelmäßig sind die Stammgäste nach Wien gefahren, um an der Bingo-Show teilzunehmen.

Wir erkundigen uns nach den Fotos mit den bunt gekleideten Menschen, die inmitten der Faschingsdeko zu finden sind. Regelmäßig sind die Stammgäste zum ORF nach Wien gefahren, um an der Bingo-Show teilzunehmen, bei der verschiedenfarbige Shirts getragen werden. Um die Gewinnchancen zu erhöhen, hat man nicht als Team teilgenommen, sondern – Achtung, Geheimtipp! – sich auf die fünf Teams (Rot, Gelb, Grün, Orange, Blau) aufgeteilt. Ganz schön clever! Kritik wird in diesem Zusammenhang am ORF geübt: Die Reisen hätte “da Chef vo de Trafikanten” organisiert (weil der jemanden kennt), mitgefahren seien seine KundInnen und befreundete TrafikantInnen. In der Sendung, in der sonst üblicherweise über die Herkunft der TeilnehmerInnen und andere Belanglosigkeiten getratscht wurde, habe man das aber nicht sagen dürfen. Raucherhetze in der Lügenpresse, furchtbar, man kennt das ja. Um die Geduld der Wirtin nicht zu strapazieren, begleichen wir unsere erstaunlich niedrige Rechnung und machen uns mit diesen wertvollen Informationen versehen wieder auf den Weg.

Papperlapub
Einmal ums Eck und noch in Sichtweite der B1 liegt das nächste Lokal, bei dessen Namen wir uns zwar etwas anderes vorgestellt haben, das uns aber deswegen nicht weniger gefallen hat. Papperlapub, auch als “Castl’s Taverne” bekannt, wird betrieben von einer jungen Dame namens Castl und eine recht kleine Bar, der man am ehesten studentisches Publikum als Zielgruppe zuschreiben könnte. Wir fühlen uns dort – unserem Auftrag und dem Etikettenschwindel zum Trotz – sehr wohl. Zu unserer Getränkebestellung erhalten wir Erdnüsse und andere Snacks, während im Hintergrund hauptsächlich Skate-Punk aus den 90ern und 00ern läuft. Highlight des Lokals ist die etwas versteckte Toilette: Hier kann man sich mit Kreide an den Wänden austoben. Fazit: für eine Bar top, aber leider kein Beisl.

Hauser Stubn
Wir bewegen uns wieder zurück zur B1, ziehen am Favoriten des letzten Beisltests, dem Laterndl vorbei und biegen vor dem Landeskrankenhaus links ab. Dort befindet sich die Hauser Stubn, eine Mischung aus Imbissstand und Beisl. Beim Betreten des Beisls fällt unser Blick sofort auf alte Bekannte: die Neonazis vom letzten Beisltest. Sie sind dieses Mal nur zu dritt, entsprechend ängstlich ihre Gesichter. Unsere finsteren Blicke treiben sie bald aus dem Lokal.

Alte Bekannte: die Neonazis vom letzten Beisltest.

Ansonsten fühlen wir uns in der Stubn recht wohl. Die “Reserviert”-Schilder auf den Tischen scheinen mehr Vorschläge als feste Regeln zu sein und so müssen wir uns nicht auf zwei Tische aufteilen, sondern finden an einem Platz. Ein gemütliches Kaminfeuer am Flatscreen hinter uns sorgt für wohlige Atmosphäre. Die freundliche Bedienung versorgt uns prompt mit Bier und bringt uns später sogar die hervorragende XL-Bosna vom beisleigenen Imbiss. Um den Bus, der uns zur nächsten Station bringen soll, nicht zu verpassen, müssen wir die Hauser Stubn früher als uns lieb ist verlassen.

Muschelwirt
Wir fahren durch Lehen, vorbei am Struberstüberl, Musa’s Musikpub, dem Steirercafé, dem Roseggerstüberl und dem berüchtigten Schluck’s und queren die Salzach, um ins Bahnhofsviertel zu gelagen. Dort, in der Saint-Julien-Straße, befindet sich der Muschelwirt. Aus dem dreiundzwanzigeinhalb Stunden täglich geöffneten Lokal kommen uns sichtlich vollbetankte Menschen entgegen. Leider sind wir spät dran und der Innenbereich des Lokals hat bereits geschlossen. Wir müssen unser Bier daher im überdachten und hell erleuchteten Gastgarten trinken. Großer Vorteil: Der Preis für die Halbe Bier ist hier mit 89 Cent unschlagbar günstig.

Laganini
Und wieder bewegen wir uns an alten Beislbekanntschaften – Katrinstüberl, Maria’s Gecco, Sterneckerl – vorbei, um schließlich zur Endstation des Tages zu gelangen: dem Laganini. Bei unserem ersten Besuchsversuch wollte man uns wegen Livemusik Eintrittsgeld abknöpfen; dieses Mal ist das, obwohl wieder live gesungen wird, nicht so. Im Eingangsbereich wird uns die Gefährlichkeit unserer Unternehmung zum ersten Mal bewusst – wir werden mit einem Metalldetektor kontrolliert. Es handelt sich dabei wohl um die Nachwirkungen des Jugoslawienkriegs, denn wir befinden uns hier in einem “Jugo-Beisl”.

Selbst im Puff sind die Preise fairer.

Drinnen ist aber wieder alles cool. Ein roter Gartenzwerg richtet seinen Blick auf die Eingangstür samt Türsteher. An der Bar sitzen Gestalten, die Deixkarikaturen zum Verwechseln ähnlich sind; dahinter dreht ein mittelalter Muskeltyp, dessen kahlgeschorener Kopf jenem von Dimitar Savatinov oder Krang aus der Serie Ninja Turtles gleicht, seine Runden. Ist er etwa auf Streit aus? Wir wollen es lieber nicht herausfinden. Die Getränke, auf die wir eine halbe Ewigkeit warten müssen, sind überaus teuer: Das Seiterl Bier kostet hier sportliche vier Euro. Selbst im Puff sind die Preise fairer. Auch die zwölf verschiedenen Wodkasorten und Alkopops, bekannt aus unseren Teenie-Tagen, können das nicht wettmachen. Wir ergreifen die Flucht und wanken nach Hause.

Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Anregungen und Geheimtipps für kommende Beisltests freut sich die Redaktion außerordentlich (presse@oeh-salzburg.at).

Prost!

Disclaimer: Der Test wurde in unserer Freizeit durchgeführt, dadurch keine Studierendeninteressenvertretungsarbeit vernachlässigt. Es wurden keine ÖH-Mittel aufgewendet. Es gab keinerlei finanzielle Zuwendungen seitens der Beisl-InhaberInnen.

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