Corona-„Maßnahmen“ der Uni Salzburg: Anwesenheitspflicht vs. Menschenleben

Die WHO und Medien tun gut daran, zur Besonnenheit aufzurufen. Panik ist kontraproduktiv und hilft niemandem weiter. Es gilt, vernünftig und faktenbasiert Entscheidungen zu treffen. Aber die Uni Salzburg wäre nicht die Uni Salzburg, wenn sie nicht lieber an ihren Dogmen festhielte.

Statement von Carlos P. Reinelt

covid

Am 3. März war es dann endlich soweit. Nachdem sich in den Wochen zuvor alle neuen Studierenden zu den planmäßig stattfindenden Orientierungstagen getroffen haben, die Incomings (auch aus Epizentren wie Italien und Südkorea) für die Einschulung konzentriert wurden, bevor im dichten Programm u. a. gemeinsam geschmaust wurde, und ein Tag nachdem der reguläre universitäre Betrieb aufgenommen wurde, trudelte also eine halbherzige E-Mail des Vizerektorats für Forschung ein.

Das Credo: Schau ma mal. Ein paar Sätze des BMIs kopiert. Aber ganz wichtig: Studenten auf jeden Fall zu prüfungsimmanenten LVs kommen, sonst verliert man den Platz, es wird nachgerückt!

Es zeugt nicht von Weitsicht der Entscheidungsträger, um in Zeiten wie diesen solche Vorgaben rauszugeben. Zwei Tage später eine E-Mail der nicht wirklich proaktiv agierenden ÖH, dass Lehrende vom Vizerektorat für Lehre offenbar ersucht (?) wurden, sich kulant zu zeigen „wenn man etwa durch einen potentiell von den Behörden vermuteten Kontakt zu Infizierten in Quarantäne gesteckt wird und deshalb nicht mehr an prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen […] teilnehmen kann.“

Wie bitte?

Dann lieber krank zur Uni

Jeder weiß, dass man zum Teil ein ganzes Jahr darauf warten muss, um (hoffentlich) wieder einen Platz in einem Seminar zu bekommen. Diese Vorgaben ermutigen die Studierenden aber, bei ersten Anzeichen einfach trotzdem zu kommen. Das Beispiel Italien zeigt, dass die Krankheit oftmals eben nicht zurückverfolgbar ist und so ein Individuum oftmals gar nicht wissen kann, ob es denn eine Risikopersonen getroffen hat. Von der Inkubationszeit ganz zu schweigen.

Im Zweifelsfall sich also lieber mit dem leichten Husten ins Seminar schleppen.

Risikogruppen sind vor allem Professor/-innen und PLUS 55-Studierende

_B__0559.jpg

Japan hat beispielsweise inzwischen auf die Bevölkerungszahl gemessen weniger Covid-19-Fälle als Österreich. Trotzdem sind die meisten Universitäten bis mindestens 20. April dicht. Weil man sich entschieden hat, Verantwortung zu übernehmen. Vor allem für die älteren Generationen.

Denn seien wir uns ehrlich: 80% der Krankheiten verlaufen milde. Es werden nicht die jungen Studierenden sein, die mit schwereren Folgen zu rechnen haben. Sondern vor allem die – nicht immer unbedingt jüngsten und fittesten – Professor/-innen bzw. PLUS 55-Studierenden. Sie gehören zur gefährdeten Gruppe. Und wenn diesen etwas zustößt, wird das auch ganz klar auf die Konten der Vizerektorate gehen.

P.S.

Who the fuck needs Anwesenheitspflicht? Um sich ein Semester lang Referate anzuhören? Kümmerts euch lieber mal um a gscheide Lehre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.