Erstes österreichisches Gutmenschentheater

"Gutmenschentheater"
© Andreas Hechenberger

Von Christoph Mödlhamer

Gebannt starren sie ins Publikum. Hat es schon angefangen? Wieso sind die DarstellerInnen nicht geschminkt? Warum die Kostüme so hässlich? Stört es, wenn ich noch ein bisschen mit meinem Snack raschle? Kurz noch aushusten. Es hat ja ohnehin noch nicht angefangen. Oder? Oder? Doch. Hat es! Da sitzen sie: die LaiendarstellerInnen. Gegenüber vier SchauspielerInnen, die dem Publikum einen Spiegel vorhalten. Continue reading „Erstes österreichisches Gutmenschentheater“

Die Qual der Wahl

Viele sprechen von der Qual der Wahl, von wahlweise einer weisen Wahl oder aber von der anstößigen Wahllosigkeit dieser oder jener Personen. Doch im Grunde bleibt für mich hinter diesen Floskeln die unangenehme Frage, was denn nun so etwas wie eine Wahl eigentlich ist, wie ich sie treffen, von was oder wie ich sie abhalten kann oder wie ich sie und sie mich eigentlich sabotieren kann. Und hierbei spreche ich nicht von den Papierzetteln, die in unschuldigen Pastelltönen viel zu zahlarm in den Urnen der verschiedenen Wahlbezirke landen, sondern von jenen Situationen, in welchen wir Tag für Tag eine Wahl treffen. Welche … Hose/ Marmelade/ Beruf/ Umgangston/ PartnerIn/ Zeitschrift/ Joggingschuhe/ Moral/ … Die Liste scheint endlos. Fangen wir an. Jedes einzelne Produkt unserer materiellen Umwelt wurde Opfer unserer Entscheidung, die Wahl fiel, der Euro auch. Warum habe ich dieses Produkt konsumiert, warum nicht jenes? Ich will euch in die Situation eintauchen lassen, welche mich zu diesem Artikel bewog und welche ich gerade erlebe, um ein Reallife-Abbild meines moralischen Dilemmas zeichnen zu können.

Von Selina Schnickers

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Lupus in Fabula – wie der Wolf, von dem die Rede ist

Foto: Andreas Hechenberger

Eine Theaterrezension von Christoph Mödlhamer

 

„Man weiß, dass das jeden irgendwann mal…, dass das jeden treffen wird“, sagt die Jüngste von drei Schwestern gefasst. Sie erinnert dabei an ihr Meerschweinchen Felix aus Kindertagen, das an einem Hitzeschlag starb. Nur dieses Mal geht es nicht um den Felix, sondern um den eigenen Vater. Dieser liegt im Sterben. Am Sterbebett versammeln sich die drei Schwestern – die Jüngste, die Mittlere und die Älteste –  um sich zu verabschieden, sich gegenseitig zu trösten und um ihre Beziehungen untereinander sowie zum eigenen Vater zu reflektieren. Sie dachten, der Tod kommt unerwartet mitten in der Nacht. Deshalb mussten die Handys immer eingeschaltet bleiben. Es konnte doch niemand ahnen, dass es dann wirklich so schnell geht. Welchen Zug sollten sie nehmen? Den letzten heute noch? Geht sich das aus? Oder den ersten morgen früh? An einem späten Montag-Nachmittag war es dann so weit: Der Vater tot. Continue reading „Lupus in Fabula – wie der Wolf, von dem die Rede ist“